Besuch aus Lisieux

Louis und Zélie Martin, die heiligen Eltern der hl. Therese von Lisieux, besuchen Deutschland und das Bistum Augsburg. Von Monsignore Anton Schmid 

Das Anliegen der Reliquienfahrt ist die Bekanntmachung der neuen Heiligen in Deutschland und Österreich und ihre Verehrung bzw. Anrufung in familiären Anliegen. Unser Papst hat sie als Vorbilder für die Ehen und Familien unserer Zeit heiliggesprochen. Aus Spanien und Frankreich sind schon viele wunderbare Erhörungen bekannt geworden, so gingen beispielsweise Kinderwünsche in Erfüllung, auch wenn Ärzte dies vorher verneint hatten. Im Bistum Augsburg wird der Schrein von Freitag bis Montag an verschiedenen Orten zugegen sein. Von Augsburg (St. Franziskus) bis zur Rückbringung nach Lisieux begleite ich ihn als zweiter Priester mit einer Redakteurin. Ich hoffe auf viele Menschen und vor allem auch viele junge Leute aus Augsburg und Umgebung zur Verehrung und zum Gebet. 

Die Eltern der heiligen Therese von Lisieux sind am 18. Oktober 2015 auf dem Petersplatz in Rom von unserem Papst Franziskus als erstes Ehepaar in der Kirchengeschichte gemeinsam heiliggesprochen worden. Vorausgegangen waren zwei wunderbare Heilungen, die medizinisch nicht erklärbar waren. Am Ende der damaligen Bischofssynode über Ehe und Familie in der heutigen Zeit hat sie der Papst als Vorbild und Fürsprecher der Kirche geschenkt. Seitdem werden auch sie in allen Ländern verehrt, und ein Reliquienschrein mit einigen Gebeinen der Heiligen reist um die Welt. Vom 14. bis 26. Juni 2018 kommt er auch nach Deutschland und wird abwechselnd von drei Priestern begleitet. Ausgehend von Köln durchquert er Deutschland bis zur österreichischen Grenze und wird an 20 Stationen aufgestellt und verehrt.

Die heiligen Eltern sind nicht deshalb heiliggesprochen worden, weil sie eine heilige Tochter haben, sondern weil sie selbst ein herausragendes christliches Leben geführt haben. Sie können zeigen, wie eine Familie glücklich werden kann, wenn sie nach dem Willen Gottes und den Weisungen der Kirche lebt. Beide Eltern wollten ursprünglich in ein Kloster eintreten, wurden aber abgewiesen, weil Louis  Martin (1823–1894) kein Latein konnte und Zélie Guérin (1831–1877) eine schwächliche Gesundheit hatte. Louis Martin erlernte darauf das Uhrmacherhandwerk und Zélie die Herstellung von Spitzen. Bei einer Begegnung in ihrem Heimatort Alençon in der Normandie spürten sie die Berufung zur Ehe und heirateten drei Monate später am 13. Juli 1858. Neun Kindern schenkten sie das Leben, von denen aber vier im zartesten Kindesalter verstarben. Das neunte Kind war die spätere Heilige Therese von Lisieux, die mit 15 Jahren in das Karmelitinnenkloster eintrat, dort im Gebet und in der Liebe zur Heiligen heranreifte und mit 24 Jahren an Tuberkulose verstarb.

Obwohl  diese heiligen Eltern gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelebt haben, können sie uns ein Vorbild sein. Sie pflegten in ihrer Familie das gemeinsame Gebet und die Mitfeier der Gottesdienste, sie übten Nächstenliebe gegenüber den Armen, Alten und Kranken, sie bekannten sich in der Öffentlichkeit zur Kirche, sie fügten sich beim frühen Tod von vier Kindern in den Willen Gottes und schöpften Trost aus dem Glauben, sie waren begeistert für die Mission, kannten Spiele und Ausflüge mit den Kindern, zeigten als Ehepaar ihre gegenseitige Liebe, wie aus einem Brief der Mutter an ihren verreisten Mann hervorgeht: „Im Geiste bin ich bei dir den ganzen Tag; ich sage mir: jetzt macht er dies oder jenes. Ich sehne mich danach, bei dir zu sein; ich spüre, wie sehr sich meine Liebe zu dir gerade durch das Getrenntsein verdoppelt.“

Beide Eltern hatten einen sehr verschiedenen Charakter, aber sie ergänzten einander gut. Louis war ein mehr besinnlicher und stiller Typ, Zélie eine tüchtige Geschäftsfrau, die einen kleinen Betrieb für die Anfertigung von Spitzen führte. Louis hatte in Alençon ein Haus gekauft und darin ein Uhren- und Schmuckgeschäft eingerichtet. Sie zeigen, dass man trotz Familie und Arbeit ein gottverbundenes Leben führen kann.

Der Gedenktag im Kirchenjahr ist der 12. Juli, der Tag vor ihrer Hochzeit. Ihre Gebeine ruhen in einem kostbaren Schrein in der Krypta der Basilika von Lisieux.

Stationen im Bistum Augsburg

Freitag, 22. Juni

Augsburg, St. Franziskus - Firnhaberau, Hubertusplatz 1

  • 18.30 Uhr Feierlicher Empfang der Reliquien
  • 19.00 Uhr Pontifikalamt mit Weihbischof Florian Wörner, anschließend bis 21.30 Uhr
    Gebetsstunden, Persönliche Verehrung, Litanei, Impulse, Einzelsegen

Sonntag, 24. Juni

Kempten, St. Anton, Immenstädter Straße 50

  • 10.00 Uhr Heilige Messe - Zelebrant: Kaplan P. Johannes Reiber FSO
  • 11.30 Uhr Verabschiedung der Reliquien

Balderschwang, St. Anton/Radio Horeb, Dorf 6

  • 14.30 Uhr Feierlicher Empfang der Reliquien, Andacht mit Herrn Pfarrer Dr. Richard Kocher
  • 18.00 Uhr Gebet der Vesper
  • 19.00 Uhr Entzünden vom Johannisfeuer, Anbetung in der Pfarrkirche über Nacht

Montag, 25. Juni

Balderschwang, St. Anton/Radio Horeb, Dorf 6

  • 08.00 Uhr Heilige Messe - Zelebrant und Predigt: Msgr. Anton Schmid, Augsburg
  • 09.00 Uhr Verabschiedung der Reliquien nach Rankweil (Vorarlberg/Österreich)

Samstag, 23. Juni

Pfaffenhofen/Roth - Gebetsstätte Marienfried

  • 10.00 Uhr Feierlicher Einzug in die Gebetsstätte Marienfried mit Aussetzung des Allerheiligsten und gestaltetem Rosenkranz
  • 11.00 Uhr Heilige Messe, Hauptzelebrant: Msgr. Pfarrer Anton Schmid, Leiter des Theresienwerks, anschließend Einzelsegen mit einer Reliquie des hl. Ehepaares
  • 12.00 Uhr Angelus - Stille Verehrung
  • 12.50 Uhr Litanei zu Louis und Zélie Martin
  • 13.00 Uhr Feierlicher Auszug aus der Gebetsstätte

Blaichach, St. Martin, Kirchplatz 2

  • 14.30 Uhr Feierlicher Empfang der Reliquien in der Pfarrkirche St. Martin
  • 15.30 Uhr Gottesdienst, anschließend Gebetsstunde und persönliche Verehrung
  • 17.30 Uhr Verabschiedung der Reliquien

Kempten, St. Anton, Immenstädter Straße 50

  • 18.30 Uhr Empfang der Reliquien
  • 19.00 Uhr Heilige Messe - Zelebrant: P. Paulus Maria Tautz, anschließend bis 23.00 Uhr Gebetsabend

KW 08 #Hoffnung

1. Korinther 15,19

Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos [...] Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.