Zithern im Busch? – Ein Glaubenszeugnis

Uwe Schmid begleitet öfter unsere eucharistische Anbetung in Ummendorf. Er ist einer der besten Zitherspieler, die ich kenne. Im Herbst letzten Jahres bat er mich um Hilfe: Er müsse Zithern nach Brasilien verschicken und ich hätte doch einen Versandhandel und könnte da bestimmt helfen. Zithern nach Brasilien? 

Allgäuer Klänge im Busch von Brasilien? Bild: Privat.

 

Und da erzählte er: „Vor Jahren hatte ich eine tiefe Krise mit einem lieben Menschen. Die Beziehung zu ihm war zerstört, verletzt und kostete mich viel Kraft. Freunde und auch ein Psychologe gaben mir den Rat, allen Kontakt abzubrechen, um mich selbst zu schützen. Doch meine Frau empfahl mir Exerzitien. So kam ich zu Schwester Lucida ins Kloster Maihingen. Fünf Tage Heilungsexerzitien – völlig verrückt. Ich als nüchterner Ingenieur und Sonntagspflicht-Christ. Aber ich war am Ende. In den Exerzitien hat mich Gott aber berührt. Ich fand Frieden mit der Situation und konnte Gott alles hinlegen. Drei Wochen danach rief mich dieser Mensch an, versöhnte sich mit mir, und wir verstehen uns bis heute sehr gut. Das war ein Wunder. Unglaublich. Ich habe daraufhin regelmäßig über mehr als sechs Jahre Exerzitien bei Schwester Lucida besucht, bis sie mit 86 Jahren in die Mission nach Brasilien zurückkehrte. Und dieser Schwester habe ich letztes Jahr per Mail zu ihrem 90. Geburtstag gratuliert.“

Wow, dachte ich mir. Immer wieder lerne ich Leute kennen, bei denen Gott offensichtlich wirkt. Sobald sie nur die Tür zu ihm einen Spalt aufmachen, tritt er ein und handelt. Von wegen dem Gott, der nur auf einer Wolke thront und dem alles egal ist. Wir haben einen Gott, der die Begegnung mit uns sucht, sich uns aber nicht aufdrängt. Wenn wir uns dann aber zu ihm aufmachen, dann handelt er auch. Nur müssen wir oft unser eigenes Ego hintanstellen, aufhören, selber handeln zu wollen. Dann kann er handeln.

„Und dann kam ihre Dankesmail. Sie schrieb zudem, dass sie sich noch gut an mein Zitherspiel während der Exerzitien erinnern könne. Ich solle doch nach Brasilien kommen und ihren Schwestern das Zitherspiel beibringen. Ich solle mir auch keine Sorgen machen, Gott werde alles fügen, und sie erwarte innerhalb von drei Tagen mein entschlossenes Ja oder meine Absage.“

Alpenländisches Zitherspiel im subtropischen Brasilien? Im Land des Samba und des Karnevals? Ein Crashkurs auf einem extrem schwierig zu lernenden Instrument, das vor Ort nicht vorhanden ist und viel Geld kostet? Die 90-jährige Klosterschwester hat ja Ideen!

Uwe Schmid beim Zither-Workshop in Olinda, Brasilien, im Kloster der Benediktinerinnen der Academia Santa Gertrudes. Bild: Privat.

 

„Das dachte ich mir auch“, so Uwe weiter. „Völlig verrückt. Ich war in den letzten Monaten vor meiner Pensionierung – ich wollte endlich ausspannen. Das geht nicht. Ich war noch nie in Südamerika und wollte da auch nicht hin. Wo sollen die Zithern herkommen? Man kann das Zitherspiel nicht in ein paar Wochen lernen. Unmöglich. Ich erzählte niemand von dieser Einladung. Drei Tage später – am Tag der geforderten Entscheidung – kommt ein junger Mitarbeiter zu mir ins Büro und legt einen schwarzen Koffer auf den Tisch. Sein Vater hätte ihm gesagt, er wollte mir diese Zither schenken, die noch vom Großvater stammt. Ich wisse schon, etwas damit anzufangen. Unglaublich. Mich hat fast der Blitz getroffen. Und so habe ich am selben Tag der Schwester Lucida gemailt, dass ich komme.“

Wie cool ist das denn! Gott nimmt unser Zögern, Zweifeln, Zaudern ernst. Er motiviert uns wie ein Lehrer, gibt uns hin und wieder einen kleinen Schubs oder tippt uns auf die Schulter. Zufall für die einen, Wirken Gottes für mich.

Uwe bekam noch weitere Zithern geschenkt. Als er drei davon in einem Musikgeschäft in München reparieren lassen wollte, schenkte ihm der Inhaber stattdessen – berührt von der Geschichte – eine sehr gute Zither. Zusammen haben wir dann die vier besten Zithern nach Brasilien geschickt. Uwe hat eine „vierwöchige Zitherschule“ geschrieben und ist mit seiner Frau Ende Januar 2018 nach Olinda, Brasilien, geflogen, ins Kloster der Benediktinerinnen der Academia Santa Gertrudes. 

Schwester Lucida mit ihren Mitschwestern im Kloster der Benediktinerinnen der Academia Santa Gertrudes, Olinda, Brasilien. Bild: Privat.

 

„Das war eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Vier Schwestern vormittags, vier nachmittags, vier Wochen lang ‚Zitherintensivunterricht‘. Die Schwestern sind musikalisch begabt und sehr eifrig und können nun einfache Lieder aus ihrer Laudate selbständig interpretieren. Eine enorme Leistung der jungen Schwestern. Was für ein Kontrast: draußen vor der Tür der lärmende Karneval, drinnen die ruhige, meditative Zithermusik. Überall die üppige subtropische, reiche Vegetation, und dann die große Armut der Menschen. Die Schwestern leisten dort Großes: Kindergarten und Schule für die Ärmsten, eine Sozialstation für alle Gestrandeten. Und wir mittendrin. Bewegend. Meine Frau und ich waren Teil der klösterlichen Gemeinschaft. Die Liebe und die Freude, die von diesen Schwestern ausgeht, ist berührend. Ich habe mich selten so wohl gefühlt. Zum Abschluss gab es für uns sogar noch ein Ständchen: Sie spielten mehrstimmig und sangen dazu ein Danklied. Ich war überwältigt. Ich begleite die Schwestern jetzt weiter über das Internet, und im Oktober fliege ich für weitere vier Wochen nach Olinda.“

Da hat Gott sicher seine Freude daran. Wenn er ruft, und wir ihn hören und handeln. Wie oft hören wir weg und handeln nicht. Die Geschichte von Uwe mahnt mich, genauer auf den Anruf Gottes in meinem Leben zu achten und viel öfter einmal „mit einem entschiedenen Ja“ zu antworten. So wie Schwester Lucida schrieb. Gott wird dann alles fügen.

Gottes Segen, Alexander Barth

Wer sich für die Arbeit der Schwestern interessiert oder diese unterstützen möchte, kann sich an Sr. M. Lucida Schmieder OSB, Academia Santa Gertrudes, Alto da Misericordia – Carmo, 53020-903 OLINDA - PE – BRASIL, sr.lucida@remove-this.LumenChristi.de wenden.