Von den drei Isidoren

In Spanien werden ein Bischof, ein Bauer und ein Ingenieur verehrt. 
Von Peter Bornhausen  

Isidor von Madrid am Hochaltar der Pfarrkirche Waidegg in Kärnten (Bild: Raul de Chissota, wikipedia)

Isidor ist hierzulande ein seltener Name. Nur der Eichstätter Generalvikar heißt so: „Gottesgeschenk“. Ein bekannter Träger dieses Namens ist Isidor von Sevilla, der vor 1400 Jahren lebte. 

Isidor von Sevilla an der Puerta del Bautismo der Kathedrale von Sevilla, 15. Jahrhundert. (Foto: Miguel Hermoso Cuesta, CC BY-SA 3.0 es)

Er war nicht nur ein bedeutender Bischof und Staatsmann – eigentlich hat er durch die Verschmelzung der hispano-römischen Bevölkerungsschicht mit der westgotischen die spanische Nation erschaffen –, sondern auch ein immens einflussreicher Gelehrter, der ein riesiges Werk hinterlassen hat.

Unter diesen ragen die „Etymologiæ“ hervor, die das gesamte Wissen seiner Zeit sowie zahlreiche antike Werke überliefern, von denen die Nachwelt sonst nicht wüsste.

Isidor, der als Erster die Bezeichnung „Messe“ für die Eucharistiefeier verwendete, hat ebenfalls die mittelalterliche Studienordnung mit der Fächeraufteilung von Trivium und Quadrivium begründet. Mit ihm endet die Epoche der Kirchenväter.

Vielfach wird Isidor, der einem Mondkrater den Namen gegeben hat, als Patron des Internets bezeichnet. Dafür gibt es, w-w-wie üblich, keine belastbaren Nachweise (ich persönlich halte mich an Klara von Assisi und Maximilian Kolbe, den Patronen für Fernsehen und Funk). Isidor ist allerdings Patron von Spanien und Sevilla.

In Spanien selbst ist Isidor von Madrid weitaus populärer als der große Kirchenlehrer. Und sogar bei uns in Bayerisch-Schwaben auf dem Land wird er verehrt. Ich stehe häufig unter der Orgelempore unseres kleinen Laurentiuskirchleins, und wenn ich nach oben blicke, ist auf einem Fresko ein Mann zu sehen, der vor einem Marterl kniend betet, während im Hintergrund ein Engel einen Acker pflügt. Isidor hatte seinen Paulus nicht recht gelesen und nicht verstanden, dass wer nicht arbeiten will, auch nicht essen soll (siehe 2 Thess 3,10).

Er zog vor etwa 1000 Jahren der Feldarbeit das Beten vor, und als sein Gutsbesitzer davon Wind bekam und nachsehen kam, entdeckte dieser tatsächlich den frommen Mann statt beim Pflügen tief im Gebet versunken, machte ihm allerdings keine Vorhaltungen, weil ja ein Engel das Feld bestellte. Dieser Isidor, der historisch gut bezeugt ist und sehr bald nach seinem Tod zur Ehre der Altäre erhoben wurde, ist Stadtpatron von Madrid und Schutzheiliger der Bauern.

Und ein weiterer Isidor wird in Spanien verehrt: Isidoro Zorzano, ein Ingenieur, ehemaliger Mitschüler und später dann großer Mitstreiter von Sankt Escrivá. Zorzano verstarb allerdings schon 1943 an einem geduldig ertragenen Krebsleiden, gerade einmal 40 Jahre alt. Sein Seligsprechungsprozess kam erst kürzlich mit der Bestätigung seines Heroischen Tugendgrades gut voran.

Über diesen Isidoro kursiert im Opus Dei die folgende Geschichte: Vor einigen Jahren, als es in Spanien wahrlich nicht gut lief und zahlreiche junge Leute daran verzweifelten, in diesem Leben überhaupt jemals eine Anstellung zu finden, hatte ein junger Mann tatsächlich einen Vorstellungstermin bei einer Firma. Unterwegs zu diesem entscheidenden Vorstellungsgespräch blieb sein Auto stehen, mitten im Nirgendwo. Nichts zu machen, außerdem Funkloch – kein Netz, kein Anruf, keine Hilfe. Nada. Job futsch. In seiner Not murmelte der junge Mann ein Stoßgebet: „Isidoro, hilf!“ Sehr viele Stunden später drückte der vollkommen niedergeschlagene Bewerber doch die Firmentür auf und wollte sich wenigstens für sein Nichterscheinen entschuldigen, da erwarteten ihn seine Gesprächspartner freundlich lächelnd und sagten: „Ja, kein Problem, Ihr Kumpel Isidoro hat telefonisch Bescheid gesagt, dass Sie eine Panne haben.“