Divine Renovation – eine Frühlese

Die Divine Renovation Konferenz (DR18) in Halifax/Kanada war im vergangenen Juni Ziel einer großen Reisegruppe aus Deutschland. Viele Priester und Pfarrer sowie haupt- und ehrenamtliche Laien machten sich auf den Weg, um zu erfahren, was die Gemeinde St. Benedict so lebendig macht. Dieser Impuls wirkt noch immer nach. Um ihm nachzugehen, wollte CREDO gerade auch Laien fragen, was sie rückblickend mitgenommen haben und was sie für eine praktische Umsetzung in Deutschland erwarten und schon sehen.

Prof. Dr. Wolfgang Kurz. Bild: Privat.

CREDO: Herr Prof. Dr. Kurz, Sie sind Professor für Bauingenieurwesen an der TU Kaiserslautern und waren als engagierter Laie auf der DR18 in Halifax dabei. Was waren Ihre Eindrücke bzw. für Sie starke Momente?

Den größten Eindruck auf mich machte der Geist, der in dieser Pfarrei herrscht, der große Einsatz, den die Pfarreimitglieder zeigen, und das große Interesse, das die Menschen aneinander haben. Starke Momente waren die Zeugnisse der Menschen, die sich neu für ein Leben mit Jesus entschieden haben. Sie machten deutlich, dass das Gebet und die Gemeinschaft extrem wichtig sind.

CREDO: Warum ist Ihnen dieses Thema so ein Anliegen?

Im Umfeld unserer Pfarrei gibt es leider nur sehr wenige Menschen, die ein persönliches Verhältnis zu Jesus haben. Gleichzeitig gibt es einige Menschen, die auf der Suche sind. Unsere Pfarrei hat leider kaum Angebote für diese Suchenden. Aus meiner Mitarbeit in der Gebetsschule und anderen überpfarrlichen Aktivitäten sind mir aber auch viele Angebote bekannt, die in unserer und anderen Pfarreien helfen könnten, mehr Menschen zu Jesus zu führen. Mein Interesse liegt deshalb überwiegend darin, mehr über die Möglichkeiten einer Neuausrichtung der Pfarreien auf Jesus hin zu erfahren.

CREDO: Was für Chancen sehen Sie darin?

Zunächst ist es meiner Meinung nach wichtig, dass sich die aktiven Mitglieder unserer Pfarreien darauf besinnen, was die Mitte ihres christlichen Lebens ist, und damit beginnen, sich selbst zu evangelisieren. Daraus entsteht dann ein Umfeld, in dem die Neuausrichtung der Pfarreien hin auf Jesus und das Gebet möglich wird.
Divine Renovation zeigt dazu einen Weg auf, dessen Umsetzbarkeit bereits nachgewiesen ist. In unserer Diözese ist das Interesse an diesem Weg groß; ich habe deshalb bereits einige Einladungen, über die Konferenz zu berichten. Allerdings erwarte ich, dass die Umsetzung einen sehr langen Atem erfordert, da organisatorische Strukturen, das finanzielle Korsett und die Zusammenarbeit mit der Bistumsleitung unsere Priester und Pfarrer offenbar stark beanspruchen und in ihren Entscheidungen auch hemmen. Ich bin dennoch optimistisch, dass sich bei einzelnen Priestern und in einzelnen Gruppen und Pfarreien etwas bewegen wird.

Franca Heftrig arbeitet an der Jugendstelle in Weißenhorn. Bild: Privat.

CREDO: Franca, du bist seit kurzem eine Kollegin im Bistum Augsburg und bist, kaum angestellt, gleich mitgefahren auf die Konferenz. Wie kam das? 

Ich habe in Benediktbeuern Soziale Arbeit und Religionspädagogik studiert. Anfang des Jahres 2018 suchte ich einen Job und ich stieß auf die Jugendstelle in Weißenhorn. Ich bewarb mich, und Pfarrer Daniel Rietzler rief an und sagte im Gespräch, sie hätten einen Platz für die Fahrt nach Halifax zur DR18 frei. Das war für mich echt ein Geschenk und ein Wunder – ein Zeichen, dass hier Gottes Führung war.

CREDO: Was hat dich in Halifax beeindruckt?

Zu sehen, dass katholische Kirche mit jenen positiven Attributen ausgestattet sein kann, die ich bisher nur in der evangelikalen Szene kannte. Zum einen die herzliche Willkommenskultur: dass Leute am Eingang stehen und dich begrüßen. Es gibt einen extra Dienstbereich in der Pfarrei dafür, und die Leute tun es mit großer Freude, das sieht man.
Dann aber auch das Gefühl des Angenommenseins. Das zeigte sich schon beim Gebet füreinander bei der ersten Messe in Halifax. Man suchte sich zu Beginn einen Gebets-Partner und betete während der Fürbitten füreinander. 

Das war für mich eine ganz starke Erfahrung, so konkret gelebt Teil des Leibes Christi zu sein, meinem Bruder, meiner Schwester zu begegnen, für sie einzustehen und in dieser Zeit gemeinsam bewusst die Messe zu feiern. Und schließlich auch das Gebet nach den Vorträgen von Fr. James Mallon oder anderen im Anliegen des Vortragsthemas – mit den Leuten um uns herum. Das Thema wurde nicht im Theoretischen belassen, sondern wir gingen mit einfachen Worten gemeinsam ins Gebet – obwohl wir uns als deutsche Gruppe nicht besonders gut kannten. Das fand ich sehr stark. 

CREDO: Ließ sich von dieser Studienfahrt schon etwas in Weißenhorn umsetzen? Konntest du etwas mitbringen?

Ich rede gern darüber und erzähle von den Erfahrungen. Ich bin Jugendreferentin für zwei Dekanate im Bistum, nicht alles lässt sich eins zu eins übertragen. In Halifax wurde Alpha aber als zentrales Werkzeug zur Neuevangelisierung sehr betont, und ich bin froh und dankbar, dass wir hier vor Ort mit einem ökumenischen Team ab 1. Oktober auch einen Alphakurs anbieten.

Alexander Castell, Geschäftsführer von ALPHA-Deutschland. Bild: Privat.

CREDO: Herr Castell, Sie sind Geschäftsführer von Alpha-Deutschland. Der Alphakurs ist ja auch im katholischen Deutschland nicht unbekannt und auch mit unterschiedlich großem Erfolg eingesetzt worden. Was ist an der Kombination Divine Renovation und ALPHA besonders?

Auch für die Nicht-Katholiken bei Alpha ist die Botschaft von Divine Renovation eine beglückende Nachricht: Bis vor gar nicht langer Zeit war Alpha zwar in evangelischen Gemeinden und Freikirchen gut verbreitet, und die Zahl der Kurse nahm dort stetig zu, ein Kurs in einer katholischen Gemeinde war aber sehr die Ausnahme. Der größte Einwand gegen Alpha, bzw. der Grund für die Zurückhaltung lag wohl in dem Umstand, dass Alpha nicht originär aus der katholischen Kirche heraus entwickelt worden ist und manche dem Kurs daher mit Skepsis begegnete. Da half auch die Befürwortung durch einzelne Bischöfe im deutschen Sprachraum wenig, und auch die ausgesprochen positive Befürwortung von Alpha durch Johannes Paul II., Benedikt XVI. und nun auch Franziskus drang nicht wirklich durch.

Die Jahre vergingen, und nun kommt aus einer katholischen Pfarrei in Kanada diese Nachricht: Es „funktioniert“. Alpha belebt eine Gemeinde, Menschen, die nicht in der Kirche großgeworden sind, erkennen die Relevanz des Glaubens für ihr eigenes Leben, die Gemeinde wird zu einem Ort, an dem man nicht „nur Gott“, sondern auch anderen Menschen begegnen kann. Kirche wird wieder attraktiv und lebendig.

CREDO: Sie kommen ja aus protestantischer Tradition und waren als Protestant bei der DR18 dabei, was sehen Sie als Chance für katholische Gemeinden bei Divine Renovation?

Ich hatte in Halifax viele schöne Begegnungen. Die merkwürdigste war so: Am ersten Tag zur Messe suchte ich mir einen Platz in der hinteren Reihe, um dem Gottesdienst beizuwohnen. Ich grüßte meinen Nachbarn, der sich ebenfalls als aus Deutschland stammend zu erkennen gab. Halb entschuldigend schob ich hinterher, dass ich evangelisch bin, und er lachte: „Ich auch!“ Dieser Mann war aus München entsandt worden, um den Erneuerungsimpuls von DR in der katholischen Kirche kennenzulernen, um Ähnliches dann in unserer evangelischen Kirche zu beginnen. Unsere Kirchen gehen also Hand in Hand.

Das Neu-Wirksamwerden des Heiligen Geistes in der noch in Konfessionen unterteilten Kirche befördert diesen Prozess des Zusammenwachsens. Dort, wo Jesus in der Mitte steht, verschwinden die Mauern, die den Leib Christi noch unterteilen. Mit fehlt die Vorstellung, wie diese Einheit einmal aussehen kann, aber wir sehen Entwicklungen, die noch vor wenigen Jahren schwer gewesen sind: Christen aus unterschiedlichen Denominationen begegnen sich in Wertschätzung, akzeptieren und ehren einander und stehen im Lobpreis gemeinsam vor dem einen Gott. Ut unum sint. Das gilt heute mehr denn je.

CREDO: Danke für das Gespräch!