Meine Netze waren voll...

Super Job, ein Leben in Wohlstand und große Träume: Meine Netze waren wortwörtlich voller Fische, als ich mich mit 34 entschloss, meinen Beruf als Wirtschaftsinformatiker aufzugeben und Theologie zu studieren.

Von Frank Straub

Foto: privat

Das war vor vier Jahren. Ich lebte und arbeitete bereits mehrere Jahre in der Schweiz und war sehr zufrieden mit meinem Job, dem abwechslungsreichen Leben am Rande der Alpen und meiner Beziehung zu Gott, die sich immer mehr vertiefte.

Das Glück wurde nur getrübt, als sich meine langjährige Freundin von mir trennte. Neben den Trennungsschmerz trat bald die Frage, was denn nun wirklich Gottes Plan für mein Leben ist. Ich war zwar aus voller Überzeugung und Liebe auf dem Weg zur Ehe und zur eigenen Familie. Aber ob Gott vielleicht doch eine geistliche Berufung für mich vorgesehen hat, hatte ich nie geprüft. Und dieser Frage ging ich jetzt mit aller Kraft nach: ein paar Tage in einem Franziskanerkloster, Ignatianische Exerzitien, Geistliche Begleitung, Besuche mehrerer Priesterseminare, viele Gespräche mit Priestern und Ordensleuten und natürlich zuerst und vor allem: viel Gebet.

Ein entscheidender Moment meiner achtmonatigen Prüfungszeit war ein gewöhnlicher Samstagvormittag in der Baldegger Institutskirche, als ein Kapuzinerpater für die Schwestern der Göttlichen Vorsehung die Heilige Messe feierte. Das Evangelium handelte vom Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Mt 25,14-30) und in mir wurde die Frage laut: Bin ich etwa dieser feige Knecht mit dem einen Talent, der von seinem Herrn gerügt wird? Gott hatte mir ja ein „Talent“ anvertraut. Ich liebte ihn und auch seine Kirche trotz ihrer Makel. Ich konnte gut alleine sein, meine Interesse an Glaubensthemen wuchs beständig und zu guter Letzt: ich war nun wirklich frei von persönlichen Beziehungen, von Zukunfts- und Versagensängsten, von Trägheit und Unentschlossenheit. Es wäre also töricht und mangelndes Gottvertrauen, wenn ich dieses Talent einfach wieder vergraben würde, nur weil ich Angst hatte, zu scheitern.

Letztlich spielt es ja auch gar keine Rolle, ob ich mich selbst für geeignet halte. Denn Gott erntet sogar dort, wo er nicht gesät hat. Er verlangt nur von mir, dass ich das, was er mir geschenkt hat, in die Waagschale werfe. Gott ist es, der aus wenig ganz viel machen kann. Und es war in diesen Monaten, als ob Christus mir ständig ins Herz sprach: „Hab keine Angst! Ich führe Dich auf den rechten Pfad. Geh, mach Dich auf, sei mutig und versuch’s! Ich gehe mit Dir.“

Gott ließ mir in dieser Zeit immer die freie Wahl, auf seinen Ruf zu antworten. Aber je mehr und je länger ich mich prüfte und betete, desto mehr wuchs die Sehnsucht, auf Gottes Ruf mit ganzer Hingabe zu antworten. Irgendwann brannte ich innerlich so sehr, dass ich gar nicht mehr anders konnte, als „ja“ zu sagen und alles hinter mir zu lassen. Ich empfand eine Mischung aus Freude, Frieden, Gelassenheit und Abenteuerlust, wenn ich daran dachte, Job, Wohlstand und bisherige Träume aufzugeben und mich ganz dem Theologie-Studium zu widmen, ohne genau zu wissen, ob Gott mich wirklich zum Priester berufen hat. Aber jetzt war der günstige Moment da, um dieser Frage nachzugehen.

Und Gott hatte einen Weg für mich. Dieser führt mich vergangenen Herbst nach Augsburg. Als Seminarist meiner Heimatdiözese Rottenburg-Stuttgart durfte ich, so wie es die Priesterausbildung als „Freijahr“ vorsieht, zwei Semester an einer anderen Fakultät studieren. Ich hatte mir dafür Augsburg ausgesucht, weil mir z.B. durch die Jugend 2000 und durch das Gebetshaus der christliche Glaube dort als sehr lebendig, missionarisch und fröhlich bekannt war. So ein Freijahr bietet uns Seminaristen, wie es der Name bereits sagt, Zeit für eigene Interessen und Schwerpunkte. Der zeitintensive Alltag im Priesterseminar fällt in diesem Jahr weg und ich konnte die Vorlesungen an der Uni effizient und nach eigenen Interessen auswählen. Zunächst nutzte ich meine Zeit vor allem für die eucharistische Anbetung im Dom und Bibelbetrachtung im Gebetshaus. Aus Dankbarkeit, dass ich in meinem Freijahr die Liebe Gottes so tief erfahren durfte, drängte es mich bald, etwas davon an Kranke und Bedürftige weiterzugeben. Außerdem sehnte ich mich danach, zusätzlich zu Eucharistie, Gebet und Heiliger Schrift Christus auch in den Kranken zu begegnen (vgl. Mt 25,45). Ich ließ mich im Vincentinum für den Besuchsdienst einteilen und lieh den Patienten ein bis zwei Stunden wöchentlich einfach ein offenes Ohr und Herz. Oft entwickelten sich daraus tiefe Gespräche über existentielle Fragen des Lebens. Obwohl ich immer mehr Erfahrung sammelte, fielen mir die Krankenbesuche manchmal schwer und kosteten mich Überwindung. Das lag vor allem daran, dass ich vorher einfach nicht wissen konnte, wie Patienten auf mein Gesprächsangebot reagieren werden. Zudem hat jeder Patient seine eigene, zum Teil schwierige persönliche und geistige Geschichte, der man zuallererst Respekt entgegenbringen muss. Dennoch war oft ich selbst derjenige, der nach den Gesprächen beschenkt, beeindruckt und gestärkt vom Gottvertrauen mancher Menschen das Krankenhaus wieder verließ.

Im Juli musste ich auch Augsburg wieder verlassen, mein Freijahr ging zu Ende. Von Gottes großer Güte erfüllt, kann ich sagen: Die Zeit hier hat meine Hoffnungen sogar noch übertroffen. Für mich geht der Weg nun im Tübinger Priesterseminar weiter, wo ich mein Theologiestudium beenden werde. Wohin mich Gottes Weg in Zukunft noch führen mag, überlasse ich ganz seinem Plan. Ich bin ihm aber schon jetzt dankbar für die vergangenen vier Jahre und für die Gewissheit und das Vertrauen, dass er mich auch weiterhin durch den Heiligen Geist begleiten, antreiben und in allen Kämpfen stärken, trösten und mit Weisheit erfüllen wird. Danke, JESUS!

KW 30 #Gebet

um einen neuen Bischof

Herr Jesus Christus,
du hast die Apostel und ihre Nachfolger
zu Hirten der Kirche berufen. 
Dir vertrauen wir gerade jetzt unser Bistum an
und bitten dich um einen guten neuen Bischof.

Schenke uns einen Bischof,
in dem das Feuer des Heiligen Geistes lebendig
und die Freude des Evangeliums spürbar ist,
der uns mit der Liebe und Geduld
eines guten Hirten im Glauben stärkt,
der die Zeichen der Zeit aufmerksam wahrnimmt
und sie im Licht des Evangeliums deutet,
der die Gläubigen eint und sie ermutigt,
auf Gottes Ruf zu hören,
dessen Gnadengaben anzunehmen
und mit ihnen die Kirche und die Welt
neu zu evangelisieren.

Öffne unsere Herzen,
damit wir gemeinsam mit unserem neuen Bischof
nicht mit der Mittelmäßigkeit zufrieden sind,
sondern auf dem Heilsweg voranschreiten,
den Du für die Kirche von Augsburg bereitet hast.
Du selbst bist der Weg,
die Wahrheit und das Leben.
Dir sei mit dem Vater und dem Heiligen Geist
Lob und Dank, jetzt und in Ewigkeit.

Amen.