„Ich will für den Pfarrer arbeiten“

Eines Sonntags während der Heiligen Messe habe ich als kleines Kind zu meiner Mama gesagt: „Wenn ich groß bin, möchte ich für unseren Pfarrer arbeiten.“  Für mich war damals schon klar, dass ich Ministrantin werden möchte. Letzten Monat habe ich nun meine Ministrantenkarriere nach 14 Jahren an den Nagel gehängt. Sozusagen gekündigt beim Pfarrer. Doch was kommt jetzt?

Von Lorena Schmuttermeier

Foto: privat

Mit neun Jahren war es so weit. Nach der Erstkommunion wurde ich mit ein paar anderen auf diesen wunderbaren Dienst vorbereitet und konnte es kaum erwarten, als wir in die Gemeinschaft der Ministranten aufgenommen wurden. Mein „Job“ als Ministrantin, später als Oberministrantin, bestand nicht nur darin, Sonntag für Sonntag und auch unter der Woche meinen Dienst am Altar zu verrichten, sondern Vorbild für die jüngeren Ministranten zu sein. Diese in ihren Dienst einzuführen, auf ihrem Glaubensweg zu begleiten und eine große Gemeinschaft mit den anderen Ministranten aus den umliegenden Pfarreien zu bilden, war mir immer enorm wichtig.

Schnell habe ich erkannt, dass mein Herz für die Ministranten und den Dienst am Altar schlägt. Kann es etwas Schöneres geben, als ganz nah am Altar bei der Eucharistiefeier mit dabei zu sein? Nein. Für mich gibt es keinen schöneren Ort auf dieser Welt! Wie oft hat mich dieser Moment der Wandlung im Herzen berührt. Und das nur, weil ich ganz nah am Ort des Geschehens dabei sein durfte. Für mich bleibt in diesem Moment die Zeit stehen und der Himmel berührt die Erde. Unseren Priestern in meiner Heimatgemeinde bin ich von Herzen dankbar, dass sie mir so vieles über dieses Geheimnis erzählt haben: Jesus gibt sein Leben für uns am Altar hin. Allein aus Liebe zu uns.

Aber wichtiger für mich war noch, dass ich Jesus und seine Liebe zu mir in meinem Leben wirklich erfahren durfte. Die Gewissheit, ich arbeite nicht für den Pfarrer, sondern für das Reich Gottes. Nur wenn Herz und Kopf zusammenfinden, kann man ein wenig in dieses Geheimnis der Liebe Gottes, der Eucharistie, eintauchen. Aber bis diese Verbindung von Kopf und Herz entstand, hat es auch bei mir etwas gedauert. Genau genommen wird  das auch immer eine Dauerbaustelle in meinem Glaubensleben sein.

Diese Liebe Gottes zu jedem einzelnen von uns möchte ich die Ministranten erfahren lassen. Ich sehe das als meinen Auftrag, dass die Jugendlichen nicht nur den Dienst nach Plan tun, sondern verstehen lernen, was dort während der Heiligen Messe geschieht. Als Oberministrantin war es mir wichtig, den regelmäßigen Empfang der Sakramente und den Glauben authentisch und sprachfähig vorzuleben. Ganz nach 1. Petr 3,15 „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“

In meiner Pfarrei fahren wir jedes Jahr mit den Ministranten ein paar Tage weg. Mit den kleinen Ministranten in die Berge, mit den älteren erkunden wir Städte und das Ausland. Bei diesen Fahrten haben wir angefangen, freie Dank- und Bittrunden beim Morgen- und Abendgebet einzuführen. Als Betreuerin konnte ich nur staunen und lernen, wie ehrlich und weitsichtig die Jugendlichen Gott gedankt und gebeten haben. Bei den älteren Ministranten ist es mittlerweile „normal“, dass wir uns gegenseitig unsere Gebetsanliegen mitteilen und uns beim Verabschieden mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn segnen. Der Spaß kommt dabei deswegen nicht zu kurz. Spaß und Gebet gehören einfach zusammen. Die jüngeren Minis spüren, wenn die älteren den Glauben als gemeinsame Einheit vorleben.

Die Ministranten nun „alleine“ zu lassen ist kein einfacher Schritt für mich. Wer mich kennt, weiß das. Viele aus meiner Pfarrei konnten meine Entscheidung auch gar nicht nachvollziehen. Warum gibt man ein Amt und einen Dienst auf, an dem so viel Herzblut und investierte Zeit hängt? – Ganz einfach! Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Die nächste Generation mit dem Herzen am rechten Fleck und viel Power steht in den Startlöchern. Auch ihnen soll die wunderbare Sendung offen stehen, ihre Begeisterung für Jesus und für den Ministrantendienst an die Kleineren weiterzugeben. Ich sehe es als meine neue Aufgabe, diese neuen Leiter im Glauben zu stärken und mit Gebet, Rat und Tat zur Seite zu stehen. Zusätzlich warten neben meinem „Theologie im Fernkurs“-Studium, das ich gerade begonnen habe, auch neue Aufgaben in der Pfarrei auf mich, bei denen ich mein Herzblut, meine Zeit und meine Talente einbringen darf. Im Glauben gibt es noch so viel für mich zu entdecken. So habe ich zwar meinen Dienst als Ministrantin beim Pfarrer gekündigt, gleichzeitig bin ich aber in neue Aufgaben – oder in ein neues „Arbeitsverhältnis“ – hineingewachsen. Und meine Berufung in den Dienst des Herrn wird sowieso niemals enden. Die Erfahrungen und die Momente, die ich als Ministrantin sammeln durfte, bewahre ich wie Maria im Herzen und erfreue mich daran. Denn diese Momente und Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen. 

KW 30 #Gebet

um einen neuen Bischof

Herr Jesus Christus,
du hast die Apostel und ihre Nachfolger
zu Hirten der Kirche berufen. 
Dir vertrauen wir gerade jetzt unser Bistum an
und bitten dich um einen guten neuen Bischof.

Schenke uns einen Bischof,
in dem das Feuer des Heiligen Geistes lebendig
und die Freude des Evangeliums spürbar ist,
der uns mit der Liebe und Geduld
eines guten Hirten im Glauben stärkt,
der die Zeichen der Zeit aufmerksam wahrnimmt
und sie im Licht des Evangeliums deutet,
der die Gläubigen eint und sie ermutigt,
auf Gottes Ruf zu hören,
dessen Gnadengaben anzunehmen
und mit ihnen die Kirche und die Welt
neu zu evangelisieren.

Öffne unsere Herzen,
damit wir gemeinsam mit unserem neuen Bischof
nicht mit der Mittelmäßigkeit zufrieden sind,
sondern auf dem Heilsweg voranschreiten,
den Du für die Kirche von Augsburg bereitet hast.
Du selbst bist der Weg,
die Wahrheit und das Leben.
Dir sei mit dem Vater und dem Heiligen Geist
Lob und Dank, jetzt und in Ewigkeit.

Amen.