„Gott öffnet Türen, wo ich keine vermutet hätte!“

Das Thema Berufung beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Und damit auch eine  Reihe an Fragen. Was steckt in mir? Welche Gaben hat Gott mir gegeben, die ich mit Freude einsetzten möchte und die der Allgemeinheit dienen? Ist da ein „Mehr" in mir? Ich bin als Hauswirtschaftsleitung tätig und habe mich bewusst für diesen Beruf entschieden. Trotzdem haben mich diese Fragen nie losgelassen. Weil ich ihnen unbedingt nachgehen wollte, habe ich mich zur Teilnahme an einem Berufungsseminar entschieden.

Von Anna Natterer

Bild: © sek_gt; stock.adobe.com.

Der Glaube spielt in meinem Leben schon immer eine bedeutende Rolle. Ich bin mit meinen drei Geschwistern auf dem elterlichen Bauernhof groß geworden, meine Oma und mein Opa lebten  mit uns zusammen, so war immer etwas los. Meine Familie ist katholisch und wir beteten täglich und gingen regelmäßig zum Gottesdienst. Heute ist mir mein Hauskreis besonders wichtig. Den Glauben mit Gleichaltrigen zu teilen, ist ein großes Geschenk. Wir beten, halten Lobpreis, lesen gemeinsam in der Bibel und natürlich darf auch der anschließende Austausch nicht zu kurz kommen. Durch meinen Hauskreis änderte sich auch meine Beziehung zu Gott: Sie wurde persönlicher und ich würde sagen auch stärker.

Noch bevor ich auf das Berufungsseminar in St. Ottilien aufmerksam wurde, habe ich Workshops in anderen Klöstern besucht;  meistens „nur“ für einen Tag.  Das war ganz gut, aber ich merkte, dass mir dies nicht ausreichte. Da kam der Berufungskurs in St. Ottilien wie gerufen.  In einem Prospektständer in einer Kirche, ganz unten als der letzte seiner Art, lag dieser  Flyer. Beim Durchlesen wurde mir schnell klar, dass der Kurs etwas für mich ist und meldete mich sofort an.

Geleitet wird der Kurs „Das MEHR in mir … Wege christlicher Berufung“ – wie er korrekt heißt – von Schwester Emmanuela Hartmann und Pfarrer Andreas Miesen. Wir sind 10 Teilnehmer und jeder von uns befindet sich in einem anderen Lebensabschnitt. Beim ersten Treffen Anfang des Jahres ging es um den roten Faden im Leben. Was hat mich geprägt? Was hat sich wiederholt? Was hat sich verändert? – Fragen, mit denen man sich nicht täglich auseinandersetzt, die aber einen anderen Blick auf das Leben zeigen. Darüber hinaus wurden wir in das Beten nach Ignatius von Loyola eingeführt – ein stilles Gebet, das nach einem festen Schema aufgebaut ist – und es gab reichlich Austausch und Impulse. Bis zum nächsten Seminar sollten wir uns mit folgenden Fragen auseinandersetzen: „Wohin gehe ich?" und  „Für wen gehe ich?"

Das waren Fragen, die ich anfangs noch für einfach hielt. Aber als ich mich näher damit auseinandersetzte,  fielen sie mir richtig schwer. Ich ließ sie also ein paar Tage setzen und meine Gedanken kreisen. Bis ich schließlich zu dem Entschluss kam, dass ich für die Liebe gehen möchte und dass ich dahin möchte, wo Gott einen Platz für mich hat. Liebe kann ich immer leben, egal für welche Lebensform ich mich entscheide oder welchen Dienst ich verrichte. Überall kann ich mit Liebe begegnen.

Foto: Veronika Striegel

 

Bei unserem zweiten Seminartreffen beschäftigten wir uns mit der Person Jesus. Wohin geht er? Und wofür steht er? Diese Fragen bearbeiteten wir anhand von Beispielen aus der Bibel. Für mich war dieses Wochenende ein ganz besonderes. Das Thema „Berufung“ wurde durch die Person Jesu viel greifbarer, wodurch sich für mich die Sicht auf meine bisherigen Fragen komplett änderte. Wo kann ich in seinem Namen handeln? Die Antwort auf diese Frage fühlte sich für mich gar nicht mehr so verloren, weit weg an. In einem zweiten Schritt gingen wir den Spuren Gottes in unserem Leben nach. „Wo hat er gewirkt? Was waren Schlüsselerlebnisse für mich? Und welche Menschen hat er mir auf den Weg mitgegeben?“ waren Fragen, die wir uns in diesem Zusammenhang stellten.

Zum Abschluss des Treffens und als Vorbereitung für die nächste Runde machten wir uns Gedanken über unsere Fähigkeiten und Stärken, die jeder von uns mit Hilfe einer aufgemalten Skizze beschreiben konnte. Anhand dieser sollten wir als „Hausaufgabe“  über die Frage nachdenken: „Wo möchte ich Hände, Füße und Lippe Jesu sein?

Für mich spielt dabei das Thema Hilfsbereitschaft eine große Rolle. Wo kann ich helfen? Wo ist meine Hilfe vielleicht auch überflüssig und woanders währenddessen wird sie aber gebraucht? Gestärkt mit diesem Bewusstsein zum Thema Hilfsbereitschaft ging es ins dritte Seminarwochenende. Wir beschäftigten uns mit der Berufung von Mose und dem Gleichnis der verlorenen Talente, tauschten uns dazu aus und es war wirklich hilfreich die verschiedenen Ansichten zu hören. Zudem durften wir einen Test zu unseren Geistesgaben ausfüllen und im Anschluss darüber einen Text zu jeder treffenden Gabe lesen. Dabei wuchsen wir auch als Gruppe ein weiteres Stück zusammen, was den anschließenden Austausch über dieses doch persönliche Thema sehr erleichterte.

Mich bei diesem Seminar anzumelden war auf jeden Fall eine sehr gute Entscheidung und ich durfte so vieles lernen und so viel mitnehmen. Nun freue ich mich auf unseren vierten und letzten Teil des Kurses, die Exerzitien über Pfingsten. Da ich noch mehr über meinen Glauben erfahren und darin wachsen möchte, spiele ich gerade mit dem Gedanken, an der Jüngerschaftsschule des Instituts für Neuevangelisierung teilzunehmen, die im Herbst startet. Denn ich  glaube, Gott ist für mich ein Türöffner, der Türen öffnet, wo ich sie gar nicht vermutet hätte. Er lässt mich in meiner Berufung wachsen und wird mir meine Wege zeigen. Und wenn ich so zurückblicke sind es oft die kleinen Dinge auf die wir schauen müssen, da diese etwas Großes bewirken können. Manchmal ist es vielleicht nur ein Flyer, der ganz unscheinbar und versteckt in einem Prospektständer liegt.

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KW 29 #Berufung

Johannes 20,21-22

Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist.