Gemeinschaftsblog

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Blogbeiträge

Verfasst am 21. April 2018Dr. Peter C. Düren

Pater Edelfried wurde in den Tod geschickt, weil er seine priesterliche Pflicht ernst nahm

Alfred Seibold stammte aus Neu-Ulm und war ursprünglich Malergeselle. Erst im Alter von 24 Jahren beschloss er, als sogenannter Spätberufener in den Benediktinerorden einzutreten. Als er unter dem Ordensnamen Pater Edelfried zum Priester geweiht wurde, war bereits der Zweite Weltkrieg ausgebrochen, und er wurde ein paar Wochen nach seiner Weihe zum Militärdienst eingezogen. Weil er Kritik daran äußerte, dass sein Heimatkloster Schweiklberg von den Nationalsozialisten aufgehoben worden war, wurde Pater Edelfried angezeigt, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und zum einfachen Soldaten degradiert, obwohl er bereits Unteroffizier war. Zwar begnadigte man ihn bereits nach sechs Wochen Haft, stellte ihn aber an die Ostfront.

P. Edelfried Seibold. Bild: gemeinfrei.

Da er nicht Kriegspfarrer war, war ihm dort von seinen militärischen Vorgesetzten das priesterliche Wirken untersagt worden. Doch er spendete auf dringenden Wunsch eines Mitsoldaten das Bußsakrament und feierte im privaten Rahmen die Weihnachtsmesse. Deswegen und weil er sich zudem in Briefen kritisch zum Krieg geäußert hatte, wurde die Bewährung aufgehoben und Pater Edelfried wegen „Wehrkraftzersetzung“ (worauf normalerweise die Todesstrafe stand) und unerlaubter religiöser Handlungen zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Für Pater Edelfried wog seine priesterliche Pflicht schwerer als die soldatische. Er hielt sich an das Wort der Heiligen Schrift: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29 ). Im Glauben gewann Pater Edelfried die Kraft, sein Geschick zu ertragen.

Nach einer vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis wurde er wieder an die gefährliche Ostfront gestellt. Dort wurde er bei einem Räumungseinsatz von vordringenden russischen Soldaten aus dem Graben gezerrt und durch einen Kopfschuss getötet – genau an seinem 36. Geburtstag.

Sein Klostervorsteher, Abt Willibald, teilte den Mitbrüdern mit, dass P. Edelfried mit Gottvertrauen und Leidensmut sein Schicksal getragen habe. Seine Versetzung an die Ostfront war eine Strafe für seine Kritik am Krieg und für die Ausübung des priesterlichen Dienstes. Der Tod an der Ostfront war die direkte Folge dieser Strafmaßnahme. Somit würdigt die Kirche Pater Edelfried als Blutzeugen und hat ihn in das deutsche Martyrologium aufgenommen. Wie seinen Briefen zu entnehmen ist, hat er alle Widrigkeiten als Leiden für und mit Christus, seinem Erlöser, aufgefasst.

Peter C. Düren