Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 16. April 2018Anna Wagner

Osternacht reicht, oder?

Es gibt einige, auch gläubige Christen in unseren Gemeinden, die nur am Ostertag in die Kirche gehen, aber reicht das? Jesus nachzufolgen heißt für mich alle Tage mit ihm zu gehen, auch die Stunden mitzugehen, die in seinem Leben schwer waren. Zur Nachfolge gehört für mich auch der Gründonnerstag, an dem Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hat und uns damit ein Vorbild und gleichzeitig einen Auftrag für den Dienst an unseren Mitmenschen gegeben hat. Für mich gehört die Nacht des Gründonnertags dazu, in der Jesus verraten wurde, in der alles Leid begann. Es gehört der Karfreitag dazu, an dem Jesus verurteilt wurde und am Kreuz starb. Ein Teil ist der Karsamstag an dem alles still ist, an dem die Kirche Grabesruhe hält.

Jesus war ganz Mensch, er hat Leid, Schmerz, Angst und Tod erlebt, wie auch wir es tun. All das, was Jesus erlebt hat, erleben auch wir mit dem Unterschied, dass Jesus es war, der uns durch sein Leiden und Sterben erlöst hat von Sünde und Schuld, dass er uns gerettet hat vor dem ewigen Tod. Wir dürfen diese Tage mit Jesus gehen im österlichen Licht, im Licht der Auferstehung. Für uns kann jeder dieser Tage, wie schwer er auch sein mag, bereits erfüllt sein von der Hoffnung auf die Auferstehung.

In der Feier des Triduums erfahre ich jedes Jahr neu die Vergebung der Sünden, das Erlöst Sein von Schuld und vom ewigen Tod. Im bewussten Mitgehen vom Mahl in den Garten Getsemani, von dort vor das Gericht, im Mitgehen und Mittragen des Kreuzes, im Mitleiden am Karfreitag, in der Grabesstille des Karsamstags wird es spürbar, was Sünde für uns für eine Last ist und welche Erleichterung Vergebung mit sich bringt. Im Mitfeiern, im Wissen um die Auferstehung, hat aber jeder Tag, auch diese schweren Stunden, Hoffnung in sich. Ist das nicht auch ein Zeichen für unser alltägliches Leben? Wir erleben doch fast jeden Tag auch Stunden der Gründonnerstagsnacht und des Karfreitags. Kann es nicht in diesen Stunden für uns ein Licht sein, ein österliches Licht, dass Jesus für uns auferstanden ist, uns befreit hat von aller Schuld und uns das ewige Leben schenkt?

Im Verrat des Judas und Petrus ist der Verrat, den ich begehe an meinen Mitmenschen. Im Einschlafen der Jünger wird meine Schwäche deutlich. Wie oft bin ich nicht da, wenn Menschen mich um etwas bitten, auch wenn es für mich gut wäre, die Bitte zu erfüllen? Wie oft verspotte ich Menschen, Lüge, wie oft bin ich schuld daran, dass Menschen verurteilt werden, auch wenn das natürlich nicht immer zum Tod führt, aber vielleicht dazu, dass sie ausgegrenzt, allein gelassen werden? Gehe ich mit Jesus oder hat er überhaupt einen Platz in meinem Leben? Renne ich vielleicht genauso weg, wie es die fliehenden Jünger getan haben?

Ich denke, Sie wissen, was ich meine und können diese Gedanken für sich selbst fortführen. Diese drei Tage, die eine Liturgie, die Geschichte, die Jesus geschrieben hat, hat etwas mit jedem von uns selbst zu tun und nur wenn ich diesen Weg ganz mitgehe, wenn ich erkenne, dass das, was dort in Jerusalem geschehen ist, alles etwas mit mir zu tun hat, dann erfahre ich auch die Erlösung, die Vergebung, die mir Jesus mit seiner Auferstehung am Ostertag schenkt und dann werde ich mit dieser Osterfreude in vollkommener Weise erfüllt, weil ich erkenne, dass Jesus Christus, der Auferstandene es ist, der MIR immer wieder neu vergibt durch das, was nicht nur am Ostersonntag geschehen ist, sondern in diesen drei Tagen und jeden Tag neu.