Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 26. Februar 2018Alex Barth

I Have A Dream

„I Have A Dream“, rief Martin Luther King vor bald 55 Jahren 250.000 Menschen in Washington D.C zu und beschrieb seine Vision eines Amerika ohne Apartheid. Und mit „I Have a Dream“ schließt Dekan Ludwig Waldmüller seinen letzten Blog über Father James Mallon. Was für ein komischer „Zufall“. Da schreibt der Dekan doch genau über das Thema, das ich seit Wochen im Kopf habe, und schließt den Blog noch mit meiner Überschrift. Dann ein neues Thema? Nein, dann wohl lieber den Double Impact. Auch ich habe einen Traum, und wenn ich ihn in die Welt schreien könnte, dann …

Martin Luther King während seiner bekannten Rede "I Have a Dream" 1963 in Washington (Bild: wikipedia, CCO, bearbeitet)

Ich habe einen Traum

„Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages die Christen dieser Nation gemeinsam erheben werden und laut bekennen: Jesus Christus ist der Herr, und diesen Herrn wollen wir lieben, mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all unseren Gedanken und all unserer Kraft. Ich habe einen Traum, dass eines Tages diese Christen hinausziehen in ihre Welt und allen die Freude des Evangeliums verkünden, um sie zu echten Jüngern Jesu zu machen. Ich habe einen Traum, dass eines Tages dies nicht nur in den geistlichen Gemeinschaften, Bewegungen und Initiativen passiert, sondern in jedem Dorf und in jeder Stadt, in jedem Rat und jedem Verband, in jedem Geistlichen und jedem Laien. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Gemeinde leben werden, in der der Glaube an Jesus Christus in einer Lebendigkeit und Überzeugung gelebt wird, dass es ansteckend wirkt. Ich habe heute einen Traum!“ 

Auch Father Mallon träumt

Father James Mallon, der Priester aus Halifax, Kanada, hat denselben Traum. Nur belässt er es nicht beim Träumen. Er lässt sich von den Päpsten JPII, B16 und Franziskus inspirieren. Er hat den Mut, über den Tellerrand hinauszusehen und von anderen Konfessionen zu lernen. Da gehört Demut dazu. Auch um eigene Schwächen zu erkennen. „Prüft alles und behaltet das Gute“, ruft uns Paulus schon zu. Er hat es geschafft, mit einem großen Team von Ehrenamtlichen eine lebendige, wachsende Gemeinde aufzubauen. Der Glaube wird dort gelebt und vertieft, und echte Gemeinschaft ist erfahrbar. Typisch amerikanisch? Vom Pfarrfesttellerwäscher zum Opfergeldmillionär? Wohl nicht. Kultur und Struktur sind dort ähnlich. Was dort darüber hinaus fehlt, sind Kirchensteuern. 

Träume sind keine Schäume

Das Buch von Father Mallon „Wenn Gott ein Haus saniert“ ist voll von Konkretem, und meine Ausgabe voll von Eselsohren und Textmarkierungen:Alle Gebetsgruppen beten um die Vision der Erneuerung. Alle aktiven Gemeindemitglieder nehmen an glaubensvertiefenden Kursen teil. Ein eigenes Team nimmt neue Kirchenbesucher wahr und mit ihnen Kontakt auf. Informationsstände in der Kirche weisen auf die aktiven Gruppen hin. Alphakurse führen Neugierige in den Glauben ein. Fortsetzungskurse und Kleingruppen nehmen die Interessierten auf. Erstkommunion- und Firmvorbereitung findet auch für die Eltern statt. Tauf- und Ehevorbereitung wird als Chance der intensiven Glaubensweitergabe gesehen. Predigten werden durch Beamer auf Leinwände unterstützt. Vielfältige Kirchenmusik und speziell Lobpreis belebt die Gemeinde. Mitwirkung von unzähligen Gemeindemitgliedern an unterschiedlichen Diensten … Ehrlich beschreibt er auch die Misserfolge und Schwierigkeiten. Auch dass sein Weg nicht der beste sein muss, aber dass er besser ist, als sein bisheriger. Dass es auch immer Menschen gibt, die so einen Weg nicht wollen oder boykottieren.  

Halifax auf dem Lechrain

Können wir bei uns in unserem bayrisch-schwäbischen Land auch von einer bewahrenden zu einer missionarischen Kirche werden? Ich denke ja.Wir müssen die Mentalität ablegen „Alles muss so bleiben wie es ist“. Bäume, die kein Wachstum bringen, umhauen. Wir müssen weg von der klerikalen Kirche: „Der Hauptamtliche soll es richten“. Nicht im falschen Verständnis, am liebsten Priester am Altar sein zu wollen. Apostel müssen wir sein wollen: im Glaubenszeugnis, in der Weitergabe des Evangeliums und in der Nächstenliebe. Schulter an Schulter mit den Bischöfen, Priestern und Diakonen und mit deren Segen und Gebet.Wir müssen die Angst ablegen, solche Art Neues wäre nur Gefahr für Bestehendes, solche Art des lebendigen Glaubens wäre nur Frömmelei und gegen den Zeitgeist. Wir können viel tun, packen wir’s an. 

I have a Dream – und der schmeckt jetzt schon supergut.