Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 18. Januar 2017Veronika Fischer

Wie der Lobpreis mein Glaubensleben verändert hat

In den letzten Jahren habe ich die Kraft des Lobpreises entdeckt. Ich kannte Lobpreis (zur Definition) früher eher als Teil des Gebetes, z.B. Teile in der Liturgie. Aber nicht so, dass man eine halbe Stunde am Stück einfach nur Lobpreislieder singt. Erst seitdem ich mehr Kontakt zur Charismatischen Erneuerung habe, bin ich, was Lobpreis betrifft, auf den Geschmack gekommen.

In diesem Beitrag möchte ich davon erzählen, warum ich den Lobpreis inzwischen so schätze und welchen Einfluss er auf mein Glaubensleben hat.

Bild: Andres Rodriguez, flickr.com, CC BY-SA 2.0, bearbeitet.

1. Lobpreis ist gratis 
Wenn ich etwas von Gott will, dann komme ich mit Bitten zu Ihm.
Wenn ich etwas von Ihm bekommen habe, bringe ich Ihm meinen Dank.
Ist nicht beides irgendwie eine Leistung, die ich bringe, um eine Gegenleistung zu bekommen? Auch der Dank ist oft nicht ganz rein, sondern auch irgendwie mit dem Hintergedanken: Wenn ich mich bedanke, dann beschenkt mich Gott das nächste Mal auch wieder. Was nicht falsch ist – ich glaube schon, dass Gott dankbaren Menschen gerne noch mehr gibt.
Bitte und Dank sind nicht falsch – bitte nicht missverstehen! Aber Lobpreis hat noch mal eine andere Qualität, die Bitte und Dank nicht haben: Lobpreis ist gratis. Damit meine ich: Ich bringe Gott meinen Lobpreis nicht, um irgendwas zurückzubekommen. Sondern ich lobe Ihn, weil Er des Lobes würdig ist. Ehre, wem Ehre gebührt. Und damit sind wir auch schon beim zweiten Punkt.

2. Anerkennung 
Jeder hört gerne ehrliche Komplimente. Jeder möchte, dass andere ihm Anerkennung geben. Und wenn wir Menschen so ticken und wenn der Mensch Abbild Gottes ist, dann freut sich auch Gott über Anerkennung.
Eine Freundin von mir ist Sängerin. Wenn ich die Gelegenheit habe, eines ihrer Konzerte zu besuchen, habe ich hinterher immer den Drang ihr zu sagen, wie gut mir der Abend gefallen hat. Obwohl sie einen Haufen Fans hat, von denen sie immer wieder zu hören bekommt, was für eine schöne Frau sie ist und wie wunderbar sie singt, freut sie sich, wenn auch ich ihr ein Kompliment mache. Und ich mache es ihr gerne, weil es wahr ist.
So ist das mit Gott auch. Gott ist schön, Gott ist gut, Gott ist groß und mächtig ... Das alles weiß Er auch selber, trotzdem habe ich Freude daran, es Ihm zu sagen und zu singen. Weil Er diese Anerkennung einfach verdient und sich sicher auch darüber freut.

3. Lobpreis weckt Glauben 
Ich merke, wie der Lobpreis mein Glaubensleben verändert. Denn indem ich die Glaubenswahrheiten – dass Gott groß, mächtig, barmherzig, schön, gut, geduldig, stark usw. ist – laut ausspreche bzw. singe, verinnerliche ich sie auch mehr. Was man laut ausspricht, wird konkreter, greifbarer als wenn man es nur denkt.
Mir fällt auf, dass auch mein restliches Gebetsleben davon betroffen ist. D.h. ich bringe meine Bitten anders vor Gott. Mit mehr Zuversicht, denn Gott ist ja mächtig und gut! Nicht dass ich das vorher nicht gewusst hätte, aber es ist mir durch den Lobpreis viel bewusster geworden. Und ich merke, dass ich gelassener werde – wenn man betrachtet, wie groß Gott ist, wird einem bewusst, wie klein die eigenen Probleme doch sind, so im Verhältnis – und auch offener für Gottes Lösung meines Problems. Ich bringe meine Situation vor Gott, lege sie Ihm zu Füßen, bitte schon auch noch konkret, aber bin nicht mehr so fixiert drauf, dass Gott bitte genau das machen soll, was ich gerne hätte. Denn wenn Gott groß und mächtig und gut ist, dann wird Er eine gute Lösung für meine Situation haben – auch wenn Seine Lösung anders aussieht als das, was ich mir gerade vorstelle.

4. Lobpreis führt weg von mir selbst 
Dieser Punkt ist ähnlich wie der erste: Lobpreis hat erst mal nichts mit mir zu tun. Es ist keine Leistung, die ich bringe, um etwas zu bekommen; es ist keine Bitte um Hilfe bei meinen Problemen; es ist kein Dank für das, was in meinem Leben grad gut läuft; es geht nicht um eine konkrete Situation in meinem Leben. Sondern es geht um Gott, ganz allgemein, um Sein Wesen; Gott ist ewig und ändert sich nicht.
Daher ist der Lobpreis auch nicht abhängig von meiner Stimmung. Natürlich fällt mir der Lobpreis leichter, wenn ich auch Grund habe, dankbar zu sein; aber auch wenn ich in meinem Leben gerade den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe, ist Gott des Lobes würdig!
Der Lobpreis richtet meinen Blick von mir selbst weg auf Gott. Und dadurch wächst auch meine Freude und Zuversicht. Man freut sich, wenn man etwas Schönes sieht. Wenn man irgendwo steht und den Ausblick über eine wunderschöne Landschaft genießen kann, dann geht einem das Herz auf und man erfreut sich an der Schönheit. Genauso geht mir das Herz auf, wenn ich nicht auf meinen eigenen Schrott schaue, auf meine Alltagssorgen oder meine Sünden, sondern den Blick einfach mal nur auf Gott richte, Ihn betrachte und einfach Seine Schönheit genieße.

Veronika Fischer