Verfasst am 27. Juni 2016Jutta Fiege

„Firm“ werden

Was kann der Heilige Geist?
Kinder wollen „firm“ werden als Christ und für den Alltag.

In Zeichnungen zeigen die Kinder die sieben Gaben des Heiligen Geistes, ähnlich dem Bild auf der linken Seite.

Seit vielen Jahren gehört die Firmung zu den „Highlights“ an unserer Schule. Über viele Monate wird geplant, organisiert und werden die Kinder innerhalb des Religionsunterrichts auf das Sakrament vorbereitet. In jedem Jahr nutzt ein großer Prozentsatz der Schülerinnen (bis zum Schuljahr 2016/17 sind bzw. waren wir eine reine Mädchenschule) aus der sechste Jahrgangsstufe dieses freiwillige Angebot zur Schulfirmung. Für uns Lehrer ist es immer wieder eine Bereicherung, mit welchem Feuereifer die meist Zwölfjährigen bei der Sache sind.

Gerade in diesem Alter sind viele Kinder auf der intensiven Suche nach Werten und Orientierungen, die sie überzeugen können, die Bestand haben und ihnen konkret helfen können auf dem Weg zum Erwachsenwerden. „Firm“ werden durch den Heiligen Geist, gestärkt werden für ein Leben als eigenverantwortlich denkender, junger Christ – kann das heute noch funktionieren in einer immer stärker säkularisierten Welt? Und wie lange übersteht der auf diese Weise „frisch polierte“ Glaube und die jugendliche Begeisterung, in einer Gesellschaft, der das Glauben immer schwerer fällt?

An dieser Stelle möchte ich dazu einladen, mich in das Zimmer einer sechsten Klasse an unserer Realschule zu „begleiten“.

Die Mädchen stellen sich zunächst kurz selber vor: „Wir sind ziemlich wild und laut. Manchmal nerven wir sogar. Es fällt uns schwer, immer aufzupassen.“ Nach dieser ehrlichen Selbsteinschätzung folgt ein ebenso selbstbewusstes ABER: „Wir sind richtig gut im Teamwork und halten zusammen, wenn es drauf ankommt.“ Stimmt! Beim Basar für ein Hilfsprojekt in Brasilien sind die Mädels über sich hinausgewachsen, haben für den guten Zweck gebastelt und gebacken wie die Weltmeister.

Mit ähnlicher Begeisterung erklären sie nun, warum sie sich firmen lassen möchten. Und was jetzt kommt, ist ungeschönter Originalton einer Zwölfjährigen: „Ich möchte noch stärker werden, damit ich mich für die Dinge und Themen im Leben einsetzen kann, die mir wichtig sind“, erklärt sie. Ihre Freundin nickt und ergänzt: „Das ist wie bei dem Fischschwarm. Alle schwimmen mit dem Strom, aber ich möchte stark genug sein, um mich zu trauen, auch in die andere Richtung zu schwimmen, wenn es nötig ist. Ich möchte versuchen, das Richtige zu sehen und mich dann auch dafür entscheiden. Ich will nicht nur ein Mitläufer sein.“ „Genau“, ergänzt die andere, „in schwierigen Situation kann mich der Heilige Geist unterstützen, damit ich mich besser entscheiden kann. Zum Beispiel wenn es um das Rauchen oder um Mobbing geht. Ich will nicht alles mitmachen, nur weil es die anderen tun.“

Die meisten der Mädchen erhoffen sich Unterstützung vom Heiligen Geist, wenn sie einmal eine schwierige Entscheidung treffen müssen. So entsteht eine lebhafte Diskussion und eine Schüllerin kontert: „Aber wie soll er das machen, der Heilige Geist? Kommt dann eine kleine Taube angeflattert und flüstert dir ins Ohr, was du machen sollst?“

„Nein“, erklärt eine andere, „das spür ich in meinem Herzen.“

„Sakramente sind wie Vorbilder und können weiterhelfen, so wie Wegweiser, wie Straßenschilder.“ Das Mädchen vom Anfang nimmt den Faden auf und erinnert an die 10 Gebote als Lebens-Regeln. Alle sind mit dieser Antwort zufrieden.

Jetzt erzählt sie, dass sie vor einigen Wochen sehr traurig gewesen sei, nachdem eine Person aus ihrem Umfeld gestorben war. Sie habe in dieser Zeit viel nachgedacht und sei sich bewusst geworden, dass das Leben ein ewiger Kreislauf ist. Ein Kommen und ein Gehen, aus dem immer wieder Neues entstehe. Dieser Gedanke habe sie getröstet - und hinter diesem Gedanken habe sie auch ein wenig Gott gespürt – die „Gabe der Erkenntnis“ eben. „Total“ gespannt“ ist sie nun auf die Firmung, und darauf, ob damit noch einmal ein Ruck durch ihr Leben geht.

Noch mit der Firmung warten will eine Schüllerin. „Aber irgendwann mache ich es!“, ist sie überzeugt. Sie wolle schließlich später auch kirchlich heiraten und dabei nah bei Gott und „wahrhaftig“ sein. Eine anderes Mädchen ist als Firmbewerberin diesmal dabei, nachdem es an einer anderen Schule in der 5. Klasse aus „familiären“ Gründen noch nicht gepasst habe. „Heuer möchte ich dabei sein, wenn der Bischof kommt.“ Und auch sie ist gespannt, ob sie eine Veränderung spürt, wenn der Firmspender mit Chrisam ein Kreuz auf ihre Stirn zeichnet.

Ich muss bekennen, dass mich diese unmittelbare und „kindliche“ Sicht auf das Sakrament der Firmung jedes Jahr auf ́s Neue umhaut.

Da mag manches naiv klingen. Aber dieser Glaube ist beneidenswert unerschütterlich. Und tatsächlich trauen sich die Schülerinnen, diese Worte zu wählen, in einer Zeit, wo ein Jugendlicher gerne mal als „uncool“ ausgelacht wird, weil er sich als Ministrant outet. Und dieser Glaube hält häufig ganz erstaunlich - und findet sich wieder bei Zehntklässlerinnen, die in ihrer Freizeit ein Spendenprojekt für Flüchtlinge starten, freiwillig Meditationen vorbereiten oder eine Klassenkameradin in einem Trauerfall einfühlsam zu stützen wissen. Firm für den Alltag.

Jutta Fiege, Augsburg

 

Kommentar(e)

Nico 07. Juli 2016 15:00

Super, wenn sich Kinder ernsthaft und mit einem kindlichen Vertrauen so über den Glauben unterhalten, „... so ihr nicht werdet wie die Kinder..."!