Zeugen der Osterbotschaft

Ostern will gefeiert werden. Die Osterfreude kennt sehr verschiedene Ausdrucksformen. Viele sind in einen Osterurlaub aufgebrochen. Sie sehnen sich nach Sonne und nach ein paar unbeschwerten Tagen. Die meisten jedoch verbringen die Tage zu Hause, in vertrauter Umgebung. Für sie ist ein Ostern ohne Osternacht, ein Ostern ohne Osterkerze und Osterhalleluja undenkbar. Für sie ist Osterei und Osterkranz, Osterlamm und Osterschinken mehr als ein frommer Brauch. Sie betrachten die gesegneten Speisen nach der langen Fastenzeit als Zeichen der Liebe Gottes, denn diese Speisen verkünden in der Sprache der Symbole das Geheimnis von Ostern: Jesus ist auferstanden. Was das Evangelium in seiner nüchternen Art beschreibt, wird anschaulich und begreifbar: Jesus lebt.

Die Auferstehung Christi von Dieric Bouts, um 1455

Jeder der vier Evangelisten hebt einen anderen Aspekt bei seinem Bericht hervor, in einem Punkt aber stimmen sie überein: Jesus lebt. Jesus ist von den Toten auferstanden. Die Lesung gibt an Ostern Petrus, dem ersten Papst, das Wort. Es ist der Apostelgeschichte entnommen. Petrus schildert sehr knapp das Wirken Jesu, seine Verkündigung und die Heilung der Menschen, den Tod am Kreuz und die Auferstehung am dritten Tag. Ein Wort taucht dabei immer wieder auf: „Wir sind Zeugen dafür.“ Petrus und die anderen Apostel sind nicht nur Zeugen der Worte und Taten Jesu, sie sind auch Zeugen von Tod und Auferstehung des Herrn. Von Jesus einmal berufen, werden sie auch nach Ostern und trotz ihres Versagens nicht aus dieser Berufung entlassen. Sie erhalten den Auftrag, Zeugen für den gekreuzigten und auferstandenen Heiland zu sein. Sie tun es in Jerusalem. Sie tun es in Antiochien. Sie tun es in Ephesus und Athen. Sie tun es in Rom. Unablässig sagen sie die Frohe Botschaft weiter, und Menschen kommen zum Glauben an Christus. Wer aber zum Glauben gekommen ist, wer die Größe dieses Geschenkes begriffen hat, der wird selber zum Zeugen für den gekreuzigten und auferstandenen Heiland.

Auf die Zeugen kommt es an

Das ist auch der Grund, warum sich der christliche Glaube so rasch in den ersten Jahrhunderten ausgebreitet hat. Trotz grausamster Verfolgungen konnte die Verkündigung der Frohen Botschaft vom Erlösungstod Christi und seiner glorreichen Auferstehung nicht zum Schweigen gebracht werden. Nachrichten aus China, aus Nordkorea, aus Pakistan, dem Sudan und anderen Ländern, in denen Christen verfolgt werden, beweisen, dass dies bis zum heutigen Tag so ist. Sie beschämen uns, die wir in Freiheit leben, denn von ihnen müssen wir uns fragen lassen: Was tust du für Christus? Wo ist dein Zeugnis für Christus? Es braucht das Zeugnis in Wort und Tat. Manche möchten das allein in die Verantwortung der Bischöfe und Priester stellen. Sie vergessen dabei, dass jeder Christ zur Jüngerschaft des Herrn gehört. Dass jeder Christ dazu berufen und beauftragt ist, für Christus Zeugnis abzulegen. Jede Mutter, jeder Vater hat bei der Taufe seines Kindes gesagt und versprochen, dass er das Kind im Glauben erziehen will. Nicht umsonst erfolgt in der Osternacht die Erneuerung des Taufversprechens. Das ist Erinnerung an die Taufe und Erinnerung daran, dass wir Zeugen für Christus und seine Kirche sein sollen.

Auf unser Glaubenszeugnis kommt es an

Dort, wo Menschen ihren Glauben leben, dort, wo Menschen ihren Glauben bezeugen, finden andere den Weg zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Sie bitten um die Taufe, und sie möchten am Gottesdienst, am Leben der Pfarrei teilnehmen. Südkorea, Indien und große Teile Afrikas sind dafür sprechende Beispiele. Das wird zur Anfrage an uns, denn hierzulande werden die Eltern weniger, die den Glauben weitergeben; hierzulande suchen immer mehr Menschen ihr Heil bei irgendwelchen Sekten; hierzulande verkauft man seinen Glauben für 30 Silberlinge auf dem Einwohnermeldeamt; hierzulande wächst nur der Islam und die Zahl der Bekenntnislosen. Das kann unsere Osterfreude nicht schmälern, aber es muss uns bewusst machen, dass es auf jeden von uns ankommt. Jeder muss dort, wo er steht, Zeugnis für Christus ablegen. Ganz gleich wo und wie wir Ostern in diesem Jahr feiern, die Freude über die Auferstehung des Herrn sollte man uns anmerken. Ganz gleich wo und wie wir Ostern in diesem Jahr feiern, schenken wir etwas von der Osterfreude weiter: ein Lächeln, ein Osterei, ein Osterlamm, einen frohen Gruß. Es muss spürbar werden, dass Ostern die Welt verändert hat.

Prälat Ludwig Gschwind, Mindelzell

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