Wer ist alles eigentlich „heilig“?

Die Oma, der liebe Gott und – hoffentlich auch mal ich
Von Peter Bornhausen 

Sagt man das nicht so leichthin von Verstorbenen: dass sie jetzt im Himmel sind? Die Oma, der Onkel Alfred, der Herr Müller, der ein so herzensguter Mann gewesen ist … Probe aufs Exempel: Ist die Oma dann eine Heilige? Nichts anderes sind nämlich Heilige: Sie sind im Himmel, das heißt, sie leben ganz nah beim ewigen Gott. Im Himmel vollendet sich, wie diese Menschen gelebt haben und gestorben sind. Allerheiligen steht dafür, dass die ausdrücklich heiliggesprochenen Menschen nur einen ganz kleinen Teil jener Menschen bilden, die das ewige Leben bei Gott erlangt haben. Denn alle Menschen hat Gott zur Heiligkeit berufen. Diese vielen ungenannten Heiligen, zu denen – meist nach einer gewissen Läuterung –, wie wir hoffen, auch unsere verstorbenen Angehörigen und Freunde gehören können, werden an Allerheiligen gefeiert.

Alle Heiligen beten die Dreifaltigkeit an, Spanien, um 1400. © The Metropolitan Museum of Art, New York.

Im Nachhinein ist im Leben und im Sterben mancher Menschen das Wirken Gottes so deutlich zu erkennen, dass diese Heilige genannt werden. In ihnen verehren wir das Wirken des heiligen Gottes, der die Menschen „heil“ und „ganz“ möchte – genau das heißt ja „heilig“. Gott möchte, dass die Menschen ganz so werden, wie er sie sich gedacht hat. Dazu spendet er auch die nötige Kraft: seine Gnade. In den Heiligen, also den Menschen, die sich von Gott helfen lassen, wird diese Kraft sichtbar.

Heilige sind keine Einzelkämpfer, selbst dann nicht, wenn sie als Einsiedler gelebt haben. Die Gemeinschaft mit Gott ist und erschafft eine Familienzugehörigkeit: In Gott haben die Menschen Gemeinschaft untereinander hier auf Erden und im Himmel. Das ist der Grundgedanke von Kirche. Die Kirche als Gemeinschaft lebt vom Austausch ihrer Gaben: von Glaube, Hoffnung und Liebe. Diese Gaben wenden die Glieder der Kirche einander im Gebet zu, ob als Zuwendung an die Verstorbenen, die noch einer Läuterung bedürfen, oder sozusagen von der anderen Seite her: als Fürbitte der schon Vollendeten an uns.

Die Heiligen stellen somit eine Art Einfallstor für das Licht von oben dar. Sie stehen für eine besondere Gottes- und Menschennähe und werden um ihr fürbittendes Eintreten in vielen Anliegen angerufen, die mit ihrem Leben und Sterben in Verbindung stehen oder die mit Wundern zu tun haben, die sich der Überlieferung nach an ihren Gräbern ereignet haben. Eine spezielle Nähe ergibt sich zu einem Heiligen, dessen Namen man trägt, oder weil man aus einer Pfarrei stammt, die einen bestimmten Heiligen zum Patron hat. 

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