UrlaubsZeit

Im Urlaub ist die Zeit zu genießen von Dr. Elisabeth Hurth 

Die Zeit ist Geschöpf wie wir auch, sie steht in „Gottes Hand“ (Ps 31,16). Damit ist unsere Zeit der Endlichkeit unterworfen. „Alles hat seine Stunde.“ Für alles, was geschieht, „gibt es eine bestimmte Zeit“, die wir aus eigener Kraft nicht auf ewig zu verlängern vermögen (Koh 3,1). 

Kapelle Alpe, Vordere Niedere im Bregenzerwald (Foto: T. Weifenbach)

Das kann Angst auslösen und bedrohlich wirken und unser Tun in der Zeit zugleich sinnlos erscheinen lassen, werden wir doch stets daran erinnert, „wie wenige Tage unser Leben zählt“ (Koh 5,19). Wer aber darauf vertraut, dass den wenigen Tagen ein geschenkter Sinn innewohnt, den man der Zeit nicht selbst verleihen kann, wird diese Tage auch anders deuten – als eine einzigartige Gabe, die wir verantwortungsvoll zu „nutzen“ haben, die wir aber auch genießen dürfen (Eph 5,16).

Urlaub ist eine Zeit, in der das Genießen der Zeit im Vordergrund steht. Zeit genießen heißt, sie absichtslos auszukosten. Wenn man im Urlaub die Zeit auf diese Weise genießt, kann man nicht nur die Zeit, sondern auch sich selbst unverstellt annehmen. Man muss nicht ständig an sich arbeiten und sich optimieren. Man muss nicht immerzu versuchen, alles aus der Zeit herauszuholen. Urlaub ermöglicht es dem Menschen vielmehr, großzügig mit sich selbst und seiner Zeit umzugehen.

Im beruflichen Alltag ist man zunehmend einem gnadenlosen Zeitstress ausgesetzt und macht dabei die Erfahrung, dass der Zeitmangel umso größer wird, je mehr zeitsparende Techniken eingesetzt werden. Im Urlaub dagegen ist Zeit im Überfluss vorhanden. Wir stehen nicht mehr unter dem Druck, die Zeit beschleunigen zu müssen aus der Besorgnis heraus, Zeit zu verlieren. Im Urlaub ist die Zeit für uns da.

Im Urlaub haben wir die Zeit, zu sagen: Ich bin frei und nicht unter Zeitdruck. Zeit braucht Freiheit. Wenn wir der Zeit Freiheit gewähren, dann wird uns „Frei-Zeit“ zuteil. Dort, wo wir Zeit als „Frei-Zeit“ zulassen, haben wir Zeit für uns selbst und für andere. Urlaub als Freizeit ist jedoch heute nur allzu oft vollgepackt mit Aufgaben und Terminen. Die vermeintliche Freizeit macht den Menschen so letztlich unfrei. Wir sind fixiert auf das Ausschlachten der Zeit, weil wir meinen, keine Zeit zu haben.

Dabei ist es doch eigentlich eines der schönsten Gefühle im Urlaub, wenn wir spüren, dass wir Zeit haben. So können wir im Urlaub auch aus Freude an der Zeit leben. Nach biblischem Zeugnis erwächst diese Freude aus der Dankbarkeit dafür, „dass alles in Fülle da“ ist (Dtn 28, 47). Dankbarkeit gilt im Glauben einem Gott, der dem Menschen Zeit schenkt. Urlaub kann von hier aus auch eine Zeit sein, in der wir Gott für sein Geschenk der Zeit danken.

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