THE SAINTS PROJECT

Ein Interview mit der Fotografin Kristyn Brown über Heiligenbilder, kirchliche Kunst und Photoshop von Peter Bornhausen

Kristyn Brown arbeitet seit ihrem 22. Lebensjahr als Fotografin. Die Katholikin lebt mit ihrer Familie in Philadelphia, Pennsylvania, wo das „Saints Project“ entstand: ein modernes Portraitwerk katholischer Heiliger. Auf der Internetseite TheSaintsProject sind einige ihrer mittlerweile 40 Bilder von Heiligen zu sehen.

Heiliger Erzengel Rafael

Frage: Als ich vor einigen Monaten im Internet nach einem Bild des heiligen Benedikt Joseph Labre suchte, stolperte ich über eines deiner Fotos. Ich war einigermaßen erstaunt, weil der Heilige genauso aussah wie auf traditionellen Abbildungen, abgesehen davon, dass es sich um einen offenbar realen jungen Mann auf einem sehr modernen Foto handelte. Beschäftigst du dich sehr mit den Bildern und dem Leben von Heiligen, bevor du sie für dein „Saints Project“ neu erschaffst?

Brown: Ja, ich beschäftige mich durchaus mit den Abbildungen und dem Leben jedes Heiligen, bevor ich mich ans eigentliche Shooting mache. Mir ist es wichtig, dass der oder die Heilige auf dem ersten Blick so erkennbar wie möglich ist. Ich versuche, so kreativ und originell wie möglich zu sein und dabei doch dieses oder jenes Wiedererkennungsmerkmal zu bewahren.

Frage: Der Stil deiner Heiligenportraits ist so ziemlich der heutiger Werbe- oder Modefotografie in Zeitschriften und Magazinen, besonders durch den Gebrauch von Photoshop. Wie kamst du darauf, deine Fotoarbeiten den Heiligen zu widmen?

Brown: Ich arbeitete bereits lange Zeit als Fotografin, bevor mir die Eingebung zum “Saints Project” kam, und der sehr stilisierte Blick lag mir sehr. Am meisten gefielen mir Fotos, die wie Gemälde wirken. Ich erarbeitete mir meinen eigenen Stil durch eine sehr intensive Anwendung von Photoshop, bis ich beim heutigen Aspekt meiner Bilder landete. Mir war es sehr wichtig, dass die Fotos nach denen aussahen, die es in der Modebranche gibt, weil ich das Moderne mit dem Vergangenen verschmelzen wollte. Das Ziel des Ganzen war die Anwendung moderner Technik zur Ehre Gottes. 

Frage: Deine Arbeiten haben ein religiöses Ziel. Werden sie dadurch zu religiöser Kunst? Hast du schon kirchliche Aufträge bekommen, etwa für die Herstellung von Andachtsbildern oder Fotos für kirchliche Ereignisse?

Brown: Meine Illustrationen sind von Haus aus religiös, und obwohl ich nie an Andachtsbilder gedacht habe, gehen die Arbeiten nun in diese Richtung. Ich wurde bereits angefragt, Bilder für Kirchen oder besondere Ereignisse herzustellen, was mich richtig glücklich macht.

Frage: Was kommt bei deinen Portraits zuerst: die oder der Heilige, den du abbilden möchtest, oder ein Fotomodell, das dich inspiriert? Wie findest du sie, oder: Wie treffen sie einander?

Brown: Für die Heiligenbilder funktioniert das auf beiderlei Weise. Manchmal ist die Person zuerst da, die mich inspiriert, und dann warte ich auf einen Heiligen, den sie darstellen soll – das war beim Bild der seligen Imelda zum Beispiel der Fall. Häufig ist aber der oder die Heilige zuerst da, und ich halte nach einer Person Ausschau, die zu dem oder der Heiligen passt. Und manchmal kann das sogar gleichzeitig passieren, wie beim heiligen Erzengel Rafael. Ich war unterwegs mit der Familie nach Los Angeles zu einer Hochzeit und hatte einige Heiligenaufnahmen geplant, und auf der Reise ging mir ein Portrait Rafaels mit einem Freund in Kalifornien nicht aus dem Kopf. Da war die Verbindung gleichzeitig da. Und zum Schluss stellte sich zu meiner Überraschung heraus, dass mein Freund den heiligen Erzengel Rafael besonders verehrte.

Heiliger Benedikt Joseph Labre
Heilige Klara von Assisi

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