Schwere Geschütze der Barmherzigkeit Gottes

In der Pfarreiengemeinschaft Wallerstein fand vom 3. bis zum 12. März die diesjährige Missionarische Woche statt, eine Gemeinde-Evangelisierungs-Woche im Bistum Augsburg, organisiert vom Institut für Neuevangelisierung in Zusammenarbeit mit dem Bischöflichen Jugendamt.

Raphael Schadt war einen Tag mit dabei und hat für credo-online einige Eindrücke gesammelt.

Interview mit Magnus Eble

Magnus Eble war im Rahmen des Basical, dem christlichen Orientierungsjahr des Bistums Augsburg, mit dabei.

Frage: Lieber Magnus, was muss man sich unter der Missionarischen Woche vorstellen? 

Magnus: Ein Haufen Jugendlicher und junger Erwachsener besucht für zehn Tage eine Pfarrei, gestaltet die heiligen Messen, organisiert zusammen mit Gemeindemitgliedern ein Abendprogramm und geht vormittags und nachmittags von Haus zu Haus, verteilt Kerzen und lädt die Bewohner zum Programm ein. Die jungen Missionare sind bei Gastfamilien der PG untergebracht, und die Helfer aus der Pfarrei kümmern sich um ihre Verpflegung.

Frage: Was für Jugendliche sind das?

Magnus: Eigentlich sind wir ganz normale Jugendliche, die für ihr Leben erkannt haben, dass Jesus es wert ist, zehn Tage für ihn unterwegs zu sein. Ein Teil der Missionare ist vom Basical, andere sind Studenten. Manche haben sich sogar Urlaub genommen, um an der Missionarischen Woche teilnehmen zu können.

Frage: Ihr seid ja recht direkt auf Menschen zugegangen, so von Haus zu Haus. Man kennt das ja gewöhnlich nur von Sternsingern oder den Zeugen Jehovas. Wie wurdet ihr aufgenommen?

Magnus: Dank der guten Vorarbeit durch Pfarrer Eichler wussten viele Leute schon, dass wir unterwegs sind, und haben uns sehr freundlich empfangen. Manche wollten auch keinen Besuch von uns, das haben sie dann aber immer klar und höflich zum Ausdruck gebracht. Allerdings bin ich überwältigt davon, wie offen einige Leute mit uns über ihre Gebetsanliegen gesprochen und sich über ein gemeinsames Gebet gefreut haben. Eine Frau zum Beispiel hat uns sehr herzlich empfangen, aber wir blieben im Gespräch anfangs sehr oberflächlich. Dann habe ich einfach gefragt, ob sie ein Gebetsanliegen hat, das wir in unserer Anbetung vor den Herrn bringen können. Und innerhalb von Sekunden fing die Frau an zu weinen und erzählte uns eine herzzerreißende Geschichte. Anschließend beteten wir zusammem mit ihr in ihrem Anliegen, und es fiel merklich ein Stein von ihrem Herz ab. Ich bin mir sicher, da hat Jesus gewirkt.

Frage: Was spielt dabei die Gemeinschaft für eine Rolle?

Magnus: Die Gemeinschaft war großartig und hat jedem von uns geholfen, die Last, die die Missionarische Woche mit sich gebracht hat, zu tragen. Auch der Austausch der Missionsteams untereinander war unerlässlich für unsere Arbeit. So hat jeder unterschiedliche Impulse für die Woche mitgebracht und ist von allen beschenkt worden. Die Arbeit für den Herrn macht Spaß, und wenn man dann auch noch seine besten Freunde zur Seite hat, gibt es nicht viel, was diese Woche toppen kann.

Frage: Kannst du uns erklären, was du mit Last und mit dem Austausch der Missionsteams meinst?

Magnus: Es geht natürlich nicht spurlos an uns Missionaren vorbei, wenn uns eine Person, die wir besuchen, die Last ihres Lebens klagt. Nicht falsch verstehen – wir machen das gern, aber manchmal ist es schon hart. Die Person im Gebet vor Jesus zu bringen ist die eine Sache. Aber um die Gesprächssituationen richtig verarbeiten zu können, muss man auch mit anderen Leuten darüber reden, um mit den Themen abschließen zu können. Das haben wir nachmittags nach den Hausbesuchen gemacht. Wir bildeten sogenannte Reflexionsgruppen mit jeweils einem Leiter und vier bis fünf Missionaren. Das hat mir bei der Aufarbeitung eines Tages sehr geholfen, wenn ich das Traurige, aber auch das Erfreuliche mit Freunden teilen konnte.

Frage: Welche Rolle hat das Gebet gespielt?

Magnus: Wir glauben, dass der Dienst an Gott und an den Menschen Hand in Hand geht und beides gleich wichtig ist, deswegen sind wir davon überzeugt, dass Gebet einfach zur Missionsarbeit dazugehört. Darum war unser ganzer Tag vom Gebet umrahmt, sei es die tägliche heilige Messe, das Morgen- und Mittagsgebet oder das kurze Gebet vor oder nach einem Hausbesuch. Das Gebet ist unerlässlich für das Gelingen der Missionarischen Woche.

Frage: Ist Christus für die Menschen, denen ihr gedient habt, erfahrbar geworden?

Magnus: Viele Leute waren zu Tränen gerührt, als wir gemeinsam mit ihnen in ihren Anliegen beteten. Die meisten sahen wir zur Nacht der Lichter oder zur Abschlussmesse wieder. Aber auch jeder einzelne Missionar und Mitarbeiter des Orga-Teams hat seine persönliche Erfahrung mit Jesus gemacht. Das Beichtangebot in der Nacht der Lichter wurde ebenfalls gut angenommen, und ich bin mir sicher, dass die Menschen ihr Herz wieder ein bisschen mehr für Gott geöffnet haben.

Frage: Wie muss man sich eine Nacht der Lichter vorstellen?

Magnus: Die Nacht der Lichter ist eine ganz besondere Art, Gott und seiner Barmherzigkeit zu begegnen. Zuallererst natürlich ganz real in der Eucharistischen Anbetung, aber auch in Lesungen, Zeugnissen und dem Predigtimpuls, den Weihbischof Wörner hielt. Den ganzen Abend durch besteht ein Beichtangebot, bei dem in Wallerstein sogar fünf Priester gleichzeitig Beichte hörten. Gottes Barmherzigkeit fährt an diesem Abend also großes Geschütz auf. Die Priester wirkten nach der Drei-Stunden-Beichtsession auch tief bewegt und gaben uns tags darauf unglaubliches Feedback. Jesus hat viele Herzen bewegt, und sie durften Zeugen sein, wie Menschen zu ihm zurückgekehrt sind.

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