Narnia

Über die letzten Dinge und die Hoffnungen auf Vollendung. Von Andreas Theurer 

Es ist bekanntermaßen schwierig, die jenseitige Welt zu beschreiben und auch Theologen halten sich da – mit guten Gründen – normalerweise vorsichtig zurück. Wo exakte theologische Definitionen nicht möglich sind, bietet mitunter die fiktive Literatur interessante Möglichkeiten. Ein beeindruckendes älteres Beispiel dafür möchte ich vorstellen:

Von dem berühmten anglikanische Professor für Literaturwissenschaft, Clive Staples Lewis (1898-1963) stammt der siebenteilige Narnia-Zyklus. Obwohl dem äußeren Anschein nach ein Jugendbuch, ist es doch eine sehr lesenswerte Gleichniserzählung für die christliche Heilsgeschichte.

Ein paar englische Kinder geraten auf geheimnisvolle Weise in eine andere Welt, die auch eine eigene Zeit hat, sodass die dortigen Ereignisse keinerlei Zeit in unserer Welt „verbrauchen“ und umgekehrt. Diese Kinder erleben in „Narnia“ die Schöpfung durch den Löwen Aslan mit, das Eindringen des Bösen (aus einer anderen untergehenden Welt), das Selbstopfer Aslans und seine daraus folgende Auferstehung, das Ringen der Narnianen gegen wiederholte Versuche finsterer Mächte, ihre Welt zu unterwerfen und schließlich den apokalyptischen Endkampf gegen die Anhänger eines Gegengottes, der von seinen Anhängern als eins mit Aslan dargestellt wird. Wie in der Johannesoffenbarung treten ein Antichrist, ein falscher Prophet und sein „Tier“ auf und erobern Narnia. Dann aber geht diese Welt unter und die treuen Nachfolger Aslans finden sich nach ihrem Ende in Narnia plötzlich in einer neuen Welt wieder. Sie erkennen in ihr sowohl Narnia, als auch England, aber alles ist viel schöner, größer und reiner. Sie leben in alterslosen und wiedererkennbaren Körpern, die zugleich von einer hier unbekannten Leichtigkeit und Unbegrenztheit sind. Beispielsweise können sie mühelos einen Wasserfall hinaufschwimmen und rennen, ohne zu ermüden.

Auch die bösen Zwerge aus Narnia befinden sich in diesem Jenseits. Sie sitzen in hellstem Licht schimpfend im Kreis und behaupten, es wäre stockdunkel und die ihnen vorgesetzten herrlichen Speisen wären eklig und ungenießbar. Freundliche Ansprache hören sie als bestialisches Gebrüll. Sie können die Schönheit um sie herum nicht wahrnehmen und erleiden so eine selbstgemachte, nicht eine von Aslan auferlegte Hölle.

Aslan ist in diesem Paradies gegenwärtig und jeder, der will, kann ihm begegnen und mit ihm sprechen. Und diesmal – im Schlusskapitel des siebten Bandes – dürfen die Kinder für immer dort bleiben. Aslan sagt zu ihnen: „ ‚Ihr seid alle tot – wie ihr es in eurem Schattenreich gewöhnlich nennt. Die Schule ist aus, die Ferien haben begonnen. Der Traum ist zu Ende, der Morgen ist da.‘ … Hier endet für uns diese Geschichte. Wir können nur noch sagen, dass sie alle weiterhin glücklich lebten in Narnia. Für sie in Narnia aber war es nur der Anfang der wahren Geschichte. Ihr ganzes Leben in dieser irdischen Welt und alle ihre Abenteuer in Narnia waren nur der Umschlag und das Titelblatt gewesen. Nun erst begannen sie das erste Kapitel der großen Geschichte, die noch keiner auf Erden gelesen hat, der Geschichte, die ewig weitergeht und in der jedes Kapitel besser ist als das vorangegangene.“

Erhältlich ist dieses Werk auf deutsch inzwischen in verschiedenen preisgünstigen Übersetzungen. Ich kann die Lektüre jedem nur wärmstens empfehlen!

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