Ite ad Joseph – Geht zu Josef!

Der März ist traditionell der Verehrung des hl. Josef geweiht. Fast scheint es, als sei der Bräutigam der Gottesmutter und väterliche Beschützer unseres Herrn Jesus Christus in den vergangenen Jahrzehnten ein wenig in Vergessenheit geraten. Wenn ja, dann sehr zu Unrecht.

Heiliger Josef: Geburtskirche Bethlehem (Foto: Michael Wielath)

Die fromme Betrachtung hat den hl. Josef immer zusammen mit seinem alttestamentlichen Namensvetter gesehen. Es lohnt sich, die Josefserzählungen des Buches Genesis (Kapitel 37, 39–47, 50) im gerade beginnenden Josefsmonat März einmal im Gegenüber zu seinen neutestamentlichen Parallelen bei Matthäus (Kapitel 1–2) und Lukas (Kapitel 1–2) am Stück zu lesen.

Zwei Söhne Israels, denen im Traum besondere Offenbarungen zuteilwerden, die es plötzlich und unfreiwillig nach Ägypten verschlägt und die von Gott schließlich in eine besondere Verantwortung gerufen werden. So wurde die ursprünglich auf den als Sklave verkauften Sohn Jakobs bezogene Aufforderung Pharaos „Geht zu Josef!“ (Gen 41,55) zur Ermutigung, sich mit seinen Sorgen und Nöten vertrauensvoll an das Oberhaupt der Heiligen Familie von Nazareth zu wenden.

Bis heute fehlt es zwar nicht an Versuchen, aus dem hl. Josef gewissermaßen im Nachhinein mehr zu machen als den Bräutigam der Gottesmutter und den väterlichen Beschützer ihres Kindes, nämlich den leiblichen, den biologischen Vater Jesu.

Aber eine solche Ansicht hat eben nicht nur das einhellige Urteil der kirchlichen Überlieferung, sondern vor allem den klaren Wortlaut des Evangeliums gegen sich. So ist seine sexuell enthaltsame Beziehung zu Maria schließlich zur sprichwörtlichen „Josefsehe“ geworden, ein Ausdruck für ein rein geschwisterliches Zusammenleben von Mann und Frau, den man noch heute manchmal hören kann.

Die Mehrheit der Kirchenväter lehnt auch eine Interpretation der „Brüder Jesu“ aus den Evangelien als Kinder Josefs aus einer ersten Ehe ausdrücklich ab und betont vielmehr die bewusste, freiwillige Jungfräulichkeit des hl. Josef.

Das Mittelalter entdeckt die Menschheit Christi noch einmal ganz neu und konkret und mit ihr die besondere Rolle der Gottesmutter und der mit Maria verbundenen Personen im Heilsplan. Beginnend mit Bernhard von Clairvaux († 1153), über Bonaventura († 1274) und Bernhardin von Siena († 1444) reicht die Reihe der mittelalterlichen Theologen, die für eine besondere Verehrung des hl. Josef werben. In der Zeit der Gegenreformation ist es vor allem Teresa von Ávila († 1582), die sich und ihr Werk der Ordensreform unter den Schutz Josefs stellt und damit die Verehrung des Heiligen fördert. In der Barockzeit setzt sich die Josefsverehrung endgültig durch und wird zum Massenphänomen. Einzelpersonen, Ordensgemeinschaften, ganze Länder und Königreiche weihen sich dem hl. Josef und stellen sich unter seinen besonderen Schutz. Papst Pius IX. proklamiert ihn schließlich 1870 zum Schutzpatron der Kirche und vertraut so dem Oberhaupt der Heiligen Familie das Haus der Kirche an. Bis 1969 ist der Josefstag am 19. März in Bayern gesetzlicher Feiertag, in den katholischen Landesteilen der Schweiz und Österreichs ist er das bis heute.

Der hl. Josef steht für freiwilligen Verzicht und für verantwortungsvolle Haushalterschaft.

So ist es kaum verwunderlich, dass seine Verehrung zusammen mit der Marias, deren Jungfräulichkeit auf einmal nicht mehr zeitgemäß schien, seit den gesellschaftlichen Verwerfungen der sechziger Jahre zunehmend in die Krise geraten ist. Doch vielleicht ist es ja gerade das, was die Verehrung Josefs uns und der heutigen Zeit wieder neu vermitteln kann: dass Ehe und Partnerschaft auch mit Verzicht zu tun haben und damit, dauerhafte Verantwortung füreinander zu übernehmen. Dass auch tiefe existenzielle Krisen und selbst die widrigsten äußeren Umstände eine Beziehung nicht zwangsläufig scheitern lassen müssen. Dass es sich auch heute noch lohnt, auf die Stimme Gottes zu hören und ihr zu folgen – komme, was da wolle.

Papst Pius X. (1903–1914) hat eine Litanei zum hl. Josef für den gottesdienstlichen Gebrauch zugelassen, die in ihren Anrufungen die verschiedenen Seiten der Person und der Verehrung des Heiligen wunderbar entfaltet, und sich so hervorragend als betrachtendes Gebet im Josefsmonat März eignet.

André Schneider, Augsburg

Litanei zum heiligen Josef

V./A. Herr, erbarme dich unser
V./A. Christus, erbarme dich unser
V./A. Herr, erbarme dich unser
V./A. Christus höre uns
V./A. Christus erhöre uns

V. Gott Vater im Himmel, A. erbarme dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt, …
Gott Heiliger Geist, …
Heiligste Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott, …

V. Heilige Maria, A. bitte für uns.
Heiliger Josef, …
Du erhabener Spross Davids, …
Du Leuchte unter den Patriarchen, …
Du Bräutigam der Muttergottes, …
Du keuscher Beschützer der Jungfrau, … 
Du Nährvater des Sohnes Gottes, …
Du sorgsamer Verteidiger Christi, …
Du Haupt der Heiligen Familie, …
Josef, ausgezeichnet durch Gerechtigkeit, …
Josef, leuchtend in heiliger Reinheit, …
Josef, Vorbild der Klugheit, …
Josef, Mann voll Starkmut, …
Josef, Beispiel des Gehorsams, …

Josef, Vorbild der Treue, …
Du Spiegel der Geduld, …
Du Freund der Armut, …
Du Vorbild der Arbeiter, …
Du Zierde des häuslichen Lebens, … 
Du Beschützer der Jungfrauen, …
Du Stütze der Familien, …
Du Trost der Bedrängten, …
Du Hoffnung der Kranken, …
Du Patron der Sterbenden, …
Du Schrecken der bösen Geister, …
Du Schutzherr der heiligen Kirche, …

V. Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
A. verschone uns, o Herr.
V. Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
A. erhöre uns, o Herr.
V. Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
A. erbarme dich unser.

V. Lasset uns beten. – In weiser Vorsehung gabst du den heiligen Josef der Mutter deines Sohnes zum Bräutigam. Wir bitten dich, lass ihn, den wir auf Erden als Schirmherrn verehren, unser Anwalt sein im Himmel; der du lebst und herrschst in Ewigkeit. A. Amen

Kommentar(e)

Keine Kommentare