Was anfangen mit Pfingsten?

Mit Pfingsten geht´s so richtig los!
Von Pfarrer Ulrich Lindl

Fragen Sie Menschen woran sie an Pfingsten denken, und sie werden antworten: an Tauben. Wenn sie nicht gleich vom Urlaub reden. Viel besser eignen würde sich da schon ein Feuervogel. Der ansteckt, entflammt, richtig Wind macht, damit sich das Feuer ja rasch ausbreitet und es richtig schön brennt. Das war auch ganz der Wunsch Jesu: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk. 12,49) Vielleicht ist das auch die Ursache, dass Pfingsten so verkannt wird, dass Pfingsten so harmlos geworden ist, allenfalls ein laues Lüftchen. Aber kein Sturm aufbrechender Begeisterung. Wir brauchen mehr Feuer!

Das macht uns vielleicht etwas unruhig. Normalerweise haben es Menschen ganz gerne, wenn alles seinen Gang geht. Aber dann passiert genau das: Es ereignet sich nichts mehr, es geht nichts mehr wirklich voran. Das Leben wird irgendwie langweilig, belanglos und banal. So bleibt irgendwie alles beim Alten. Wenn wir das Feuer nicht immer wieder von Neuem entfachen, bleibt am Ende nur ein Häuflein Asche übrig ... Genau das will Pfingsten nicht: Dass alles beim Alten bleibt: „Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu!“ Das ist ein Glaubensbekenntnis zu Pfingsten!

Pfingsten stellt uns vor die Frage:

Was brennt in uns eigentlich? Was haben wir uns vom Feuer jugendlicher Begeisterung erhalten? Was bewegt uns wirklich noch? Welche Ziele treiben uns um, bringen uns voran? Und plötzlich spüren wir, dass wir den Heiligen Geist brauchen. Und zwar genau so, wie er an Pfingsten auf die Jünger herabgekommen ist: in Zungen wie von Feuer – in einem Brausen, wie wenn ein Sturm daherfährt. Den Geist haben wir schon! Empfangen in der Taufe – bestärkt durch die Firmung. Darum geht es jedes Pfingstfest von Neuem. Dass wir den Geist wirklich wieder erbitten, ihm wieder mehr Raum geben. Es ist ein Geist der lebendig macht und Leben schafft – in aller lebendigen Vielfalt:

Der eine Geist verleiht ganz verschiedene Gnadengaben, (vgl. 1. Kor. 12,4) verspricht der Apostel Paulus. Und es stimmt: eine Gemeinde ist dann geistlich lebendig, wenn Christen ihre geistgewirkten Gnadengaben entdecken und einbringen. Jeder und jede ist begabt und auch begnadet. Wir entdecken auf einmal einen unermesslich großen Schatz an ganz unterschiedlichen Gaben und vielfältigen Begabungen.

Freilich, all diese verschiedenen Gnadengaben sollen uns zusammenführen und zusammenhalten. Zu einer Einheit im Glauben bei aller Vielfalt. So wie der Geist nichts für Einzelgänger ist, so sind seine Gaben nicht zum Privatgebrauch bestimmt. Paulus bringt es wieder mal auf den Punkt: „Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.“ (1. Kor. 12,7)

Diese Gaben kommen von dem einen Geist, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht. Darum ist der Geist bei aller Vielfalt zutiefst ein Geist der Einheit. So hat er schon beim ersten Pfingstfest gewirkt: Dabei verstanden sich an Pfingsten auf einmal alle untereinander: Pfingsten wird so zu einem Markenzeichen weltweiter Verständigung im Glauben. Glauben kennt eben keine Grenzen. „Wir haben den einen Geist empfangen, der uns zu Kindern Gottes macht" diese Gebetseinladung zum Vater unser offenbart, wessen Geistes Kinder wir sind.

Der Geist von Pfingsten schenkt einen lebendigen Aufbruch.

Nichts für Hockenbleiber. Unser Glaube ist dynamisch. Pfingsten bringt frischen Wind, wenn wir die Fenster und Türen aufmachen … und rausgehen. Nur Mut. Das Häuflein verängstigter Christen von damals war nach Pfingsten wie ausgewechselt. Petrus, dieser einfache Fischer hält eine begeisternde Pfingstpredigt (vgl. Apg. 2,14–36). Und Petrus muss wirklich gebrannt haben.

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Ein echt pfingstlicher Gedanke des Heiligen Augustinus! Der dann auch uns dazu fähig macht, wozu wir im 1. Petrusbrief ermutigt werden: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!“ (3,15)

Trauen auch wir uns was.

Wovor haben wir Angst. Wir haben den Geist empfangen, wir sind geisterfüllte Menschen lassen wir ihn wirken. Charismatisch und missionarisch an Pfingsten geht es um beides. So geht es mit unserem Glauben weiter, wenn wir mit unserem Glauben hinaus gehen. Nicht nur bei uns bleiben. Wir haben den Glauben nicht empfangen, damit wir ihn konservieren. Glaube gehört nicht in Dosen, sondern hinaus in die Welt. Allein so bleibt Glaube frisch und lebendig.

Der Heilige Geist hat gewirkt sichtbar und spürbar durch 2000 Jahre hindurch. Der Geist wirkt, wo er will, und wenn wir wollen.

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