Kraftvoll – bis unter die Haut!

„Mei, schön hat er wieder gepredigt!“ Aber was hat er eigentlich gesagt? Und vor allem, was hat die Predigt am Ende bewirkt? Am wenigsten wichtig ist, ob der Pfarrer schön predigt. Wichtiger ist, was er zu sagen hat, und wen er verkündet. Am wichtigsten aber ist, was am Ende bleibt und wirklich wirkt. Der erste Hörer einer Predigt muss immer der Prediger selbst sein. Ob die Botschaft einer Predigt interessant ist, hängt davon ab, ob sich der Prediger selbst dafür interessiert hat. Ob die Worte der Schrift ihn angesprochen und etwas in ihm ausgelöst haben.

Der Heilige Pfarrer von Ars war so einer, der es richtig gekonnt hat. Er konnte „für menschliche Ohren“ nicht wirklich gut predigen, aber seine Predigten haben gewirkt. Menschen mitten hinein getroffen in ihr Herz, so dass sie umkehren mussten, weil es so nicht weitergehen konnte. Es gab einfach kein Halten mehr!

Von wegen schlecht gepredigt

Und Paulus geht sogar noch einen Schritt weiter. In seinem Brief an die Korinther, ein von Haus aus eigentlich „anspruchsvolles Publikum“, schreibt er, dass er schlecht predigen muss, eben nicht mit gewandten und klugen Worten. Damit die Leute nicht an seinen Lippen kleben bleiben, sondern zu Jesus finden. Nicht zu dem lieben Jesulein, das keinem weh tut. Nein, sie sollen hinfinden zum Kreuz, zum gekreuzigten Christus. Und das muss kraftvoll unter die Haut gehen, hinein ins Herz! Da gibt es nichts Schönzureden. „Christus hat mich gesandt, das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird" (1 Kor 1, 17).

Das Kreuz muss betroffen machen von der Hingabe Gottes aus Liebe zu uns. Nur so kann die Kraft des Kreuzes letztlich wirken, sich auswirken auf unser Leben und unsere Welt. Das hat Paulus dann auch getan, mit der Leidenschaft eines Christen, der zu allererst selbst von Christus gepackt wurde.

Und Jesus? Jesus selbst hat ja auch nicht viele Worte gemacht. Keine klugen Bücher geschrieben oder intellektuelle Vorträge gehalten. Er hat die Menschen angesprochen. Wie wenig Worte es dazu braucht, zeigt die Berufung seiner ersten Jünger am See Genezaret (vgl. Mk 1,16-20): Nur wenige Worte werden gemacht. Alles andere bleibt Begegnung, die es offenbar in sich hatte! Simon und Andreas lassen jedenfalls alles liegen und stehen und folgen Ihm nach.

Jesus wirkt!

Ja, Jesus muss wirken. Und das tut er auch, wenn man ihn nur lässt. Wieviel Jesus ist drin in der Kirche, in der Verkündigung, in der Theologie und vor allem: steckt Jesus drin in unserem Leben als Christen? Man redet über den Papst, schimpft auf Bischöfe, feiert Theologen oder kritisiert sie, diskutiert und debattiert sich wortreich die Köpfe heiß, aber das Herz bleibt kalt.
Man kann alles zerreden, auch den Glauben. Das ist eine Gefahr, denn es verdrängt die eigentliche Frage: An wen glauben wir eigentlich? Das ist ja auch genau der Punkt, auf den Paulus in seiner Predigt hinaus will. Die Gemeinde war sich darüber offenbar alles andere als einig. Und Paulus spricht das Problem deutlich an: „Ich meine, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus - ich zu Apollos - ich zu Kephas - ich zu Christus“ (1 Kor 1,12). Und weiter fragt er unumwunden: „Ist denn Christus zerteilt? Wurde auch Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?“ Nein, natürlich nicht!

Jesus, Jesus, Jesus!

Paulus ist da ganz entschlossen. Jesus Christus ist das Fundament, auf dem wir unseren Glauben aufbauen und zugleich der Eckstein, der alles und alle in diesem Glauben zusammenhält. Auf Ihn allein kommt es an. Auf Jesus Christus und zwar als den Gekreuzigten! Er muss wachsen. Und wir mit ihm. Daran hat sich seit Paulus nichts geändert. Wenn wir Jesus wachsen lassen, wird er wirken und unser Glaube an christlichem Profil gewinnen und unsere Kirche auch. Wenn eine Predigt dazu ihren kleinen Beitrag leisten kann, dann ist sie gut gelungen. Wichtig ist und bleibt, dass von einer Predigt etwas „hängen bleibt“. Dass wir an Christus hängen bleiben, weil er an uns so hängt. Dafür ist und bleibt sein Kreuz der überzeugendste Beweis.

Pfarrer Ulrich Lindl

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