Himmliches Hochzeitsmahl

Ich sterbe nicht, ich gehe ins Leben ein. Von Rahel Blick 

Ich gestehe: Pinterest find ich super. Manchmal verbringe ich Stunden damit, mich durch die unterschiedlichsten Bilder und Links zu klicken. Nachdem in den letzten Jahren einige gute Freundinnen geheiratet haben, tauchen immer mehr Brautkleider auf meiner Pinnwand auf. Bilder von glücklichen, strahlenden Bräuten in wunderschönen, weißen Kleidern. Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, an dem das letzte Mal jemand aus meiner Familie ein weißes, schönes Hochzeitskleid anhatte. Es war im November 2009 bei der Beerdigung meiner Mutter, die ein paar Tage vorher nach einer viermonatigen Krankheit an Krebs gestorben ist. Kurz vor ihrem Tod hatte sie den Wunsch geäußert, in einem Brautkleid beerdigt zu werden. Wie damals vor ihrer Hochzeit wählte sie den Stoff und die Form des Kleides aus, in dem sie kurz darauf beerdigt wurde.

Hochzeitskleid und Beerdigung, ein Kleidungsstück, dass für Freude, Leben und Liebe steht, und ein Ereignis, das von Trauer und Abschied geprägt ist - das passt auf den ersten Blick so gar nicht zusammen. Meiner Mutter war während ihres Lebens und auch in ihrer Krankheit und im Sterben klar, dass wir als Christen die unglaubliche Hoffnung und Verheißung haben, dass der Tod nicht das Ende, sondern der Beginn des ewigen, des eigentlichen Lebens bei und in Gott ist. 

„Ich sterbe nicht, ich gehe ins Leben ein",

dieses Zitat von Thérèse von Lisieux hat meine Mutter in ihren letzten Wochen immer wieder wiederholt. Als meine Mutter zum ersten Mal erwähnt hat, dass sie ein Hochzeitskleid für ihre Beerdigung möchte, hab ich das nicht verstehen können. Aber beeindruckt hat mich der Glaube meiner Mutter schon, denn obwohl der Tod etwas furchtbares ist und ich vor Trauer und Schmerz wie taub war, wurde in der Zeit, in der sich meine Mutter auf ihren Tod vorbereitete, tief in meinem Herzen eine Sehnsucht wach nach dem Himmel. Nach dem Ort, an dem wir Gott endlich klar sehen, erkennen und kennen werden. Nach dem Hochzeitsmahl, bei dem wir als Kirche mit unserem Geliebten vermählt werden. Nach dem Moment, in dem wir Gott Vater, Sohn und Geist in aller Schönheit und Herrlichkeit begegnen.

Zum himmlischen Hochzeitsmahl geladen.

Zur Zeit hören wir in den Lesungen der Messe viele Texte zum Letzten Gericht, zum himmlischen Hochzeitsmahl, zum Himmelreich. Und in jeder Messe gedenken wir, dass wir zum "Hochzeitsmahl des Lammes" geladen sind und schon mit Christus, unserem Bräutigam, durch die Eucharistie auf eine wundervolle Weise vereint werden, wie auch Braut und Bräutigam bei der Hochzeit. Und doch sind Hochzeit und Messe nur Vorwegnahmen der Hochzeit, die meine Mutter vor acht Jahren feiern durfte. Und jetzt ist wieder November. Der Monat, in dem die Tage dunkler werden und das Wetter kalt. Der Monat, in dem sich der Todestag meiner Mutter jährt. Obwohl dieser Tag, an dem der Körper meine Mutter im Brautkleid da lag, nun schon acht Jahre her ist, vermisse ich sie sehr. Und die Trauer kommt immer wieder hoch. Mal fällt es mir schwerer und mal leichter, in meiner Trauer die Hoffnung und das Leben zu sehen, das im Tod liegt. Doch immer wieder darf ich erleben, dass der Heilige Geist in mir Vorfreude auf den Himmel weckt, Vorfreude auf den Moment, in dem ich mit Jesus schließlich vereint werde. Und das nimmt meiner Trauer die Ohnmacht.