Gott sorgt für dich

Wie Gott für mich da war, als meine Mutter starb. Von Grace Kiernan 

Jeder kennt irgendwen, der schon mal Krebs hatte, und die allermeisten kennen auch jemanden, der daran gestorben ist. Man hofft und betet, dass die eigenen Freunde und Familie gesund bleiben. So ging es auch mir. Im Sommer 2011, ich war in der 8. Klasse, hatte meine Mama eine Woche lang schlimme Kopfschmerzen, bis sie zum Arzt ging. Bald stand fest, dass sie einen ziemlich üblen und bösartigen Gehirntumor im Kopf hatte. Sie kämpfte sich durch drei OPs, Strahlentherapie und verschiedene Chemos hindurch. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, die fest im Glauben steht, und viele Menschen (in verschiedenen Ländern) beteten mit uns um ihre Heilung. Trotz allem verlor meine Mama den Kampf nach zehn Monaten und starb am 8. Mai 2012. 

Ich war wütend und fassungslos. Wie konnte Gott das zulassen? Mein kleiner Cousin hatte Gott sogar versprochen, jeden Tag konsequenter zu beten, wenn er nur meine Mama heilen würde. Und trotzdem hatte Gott meine Mama sterben lassen. Ich ging im Sommer auf ein christliches Zeltlager, konnte damit aber zu dem Zeitpunkt nicht viel anfangen. Gott kam mir desinteressiert, unpersönlich und ganz weit weg vor. Meine Mama fehlte mir sehr, und Gott schien mir verantwortlich dafür zu sein.

Ich suchte in meinem Schmerz nach Antworten

Und nach vielen Monaten begann ich, einiges zu bemerken. Zum Beispiel war es wirklich bemerkenswert, dass genau in der Zeit, in der Mama krank wurde und nicht mehr zu Hause für uns sorgen konnte, ein Mann aus Pakistan, der gerade Asyl suchte, in unser Familienleben trat und mit der Zeit immer mehr bei uns zu Hause mithalf, bis er bei uns einzog und wie ein weiteres Familienmitglied wurde. Er war vor allem meinem Vater im Haushalt eine große Hilfe. Oder unsere ehemalige Vermieterin, zu der wir schon immer Kontakt hatten. Sie ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin und war in den letzten Wochen vor dem Tod meiner Mutter sehr oft bei uns und auch danach. Dann gab es noch mehrere Frauen, die vor allem nach dem Tod meiner Mutter für meine Schwestern und für mich da waren und uns unterstützten. Nicht zu vergessen meine zwei engsten Freundinnen, die die ganze Zeit über an meiner Seite waren und auf die ich mich verlassen konnte. Und dann waren da noch die vielen Menschen, die uns die ganze Zeit über im Gebet trugen.

Diese ganze Unterstützung habe ich in dem Jahr nach dem Tod meiner Mutter nicht wahrgenommen. Ich fühlte mich gottverlassen und alleine in meiner Trauer, hab mich selbst bemitleidet und schwarzgesehen. Erst jetzt, nach fünf Jahren, kann ich wirklich erkennen, wie sehr Gott die ganze Zeit an meiner Seite war – in den Menschen, die mir und meiner Familie halfen. Erst jetzt kann ich wirklich sehen, dass ich nie wirklich alleine war. Ich bin heute unglaublich dankbar für die Menschen, die so eine große Stütze waren. Ich bin so dankbar für die Familie, die ich habe, und für meine Freunde. Mehr als alles andere bin ich Gott dankbar, dafür, wie gut er sorgt, auch wenn ich es nicht erkennen und nicht fühlen kann. Heute kann ich sagen, ich bin mir seiner Gegenwart und seiner bedingungslosen Liebe gewiss.

Gott war an meiner Seite

Ich möchte jeden ermutigen und trösten, der gerade jemanden verloren hat, von Schmerz erfüllt ist und vielleicht das Gefühl hat, dass Gott ganz weit weg ist. Ich habe mich genauso gefühlt, und manchmal kann man blind sein für Gottes Liebe und Gegenwart, gerade dann, wenn man sie eigentlich am meisten braucht. Ich möchte ermutigen zu vertrauen, dass man nie tiefer fallen kann als in Gottes Hände. Auch wenn ich das selber kaum begreifen, sondern es nur im Rückblick auf die schwierige Zeit feststellen kann. Nicht alles passiert aus einem bestimmten Grund. Aber wo dir Leid begegnet, kann ich bezeugen, dass Gott immer da ist, und du sein Wirken, seine Gnade und Hilfe sehen und spüren kannst, wenn du nur danach suchst. 

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