Ein gutes Stück erleichtert

Eindrücke einer Fatima-Wallfahrt von Johannes Steber

Einhundert Jahre Erscheinungen in Fatima. Das ist doch mal eine Hausnummer! Aus diesem Grund habe ich mich in der Osterwoche mit ein paar Freunden auf den Weg dorthin gemacht: Wir wollten gemeinsam an diesen besonderen Ort und suchten dafür einen passenden Termin. Es hat sich so ergeben, dass wir nur einen gemeinsamen Termin finden konnten: die Osterwoche. Aber vielleicht war das auch unser Glück. Noch vor dem ganzen Trubel der Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum konnten wir Fatima erleben – und auch genießen.
Klar, ich war schon in Lourdes, natürlich in Altötting und anderen Marien-Wallfahrtsorten. Da musste Fatima irgendwie auch noch „auf die Liste“ – vor zehn Jahren war ich schon mal knapp dran, aber der Weg von Lissabon nach Fatima schien mir damals zu weit zu sein. Diesmal hieß es dann aber: Fatima! Lissabon, eine wahnsinnig beeindruckende Stadt, dann nur als zweite Station.

Auf dem Weg von Fatima nach Lissabon. Im Hintergrund die Brücke Ponte Vasco da Gama

Wie habe ich Fatima erlebt?

Ganz ehrlich: ein bisschen wie daheim. Das soll nicht fromm klingen oder so. Doch habe ich an diesem Ort wieder neu entdeckt, welche spirituelle Grundlage der Glaube hat, den ich als Kind zuhause erfahren und erlernen durfte. Viele der dort offenbarten Gebete prägen heute mein Gebetsleben, was mir – ehrlich gesagt – gar nicht so bewusst war. So bete ich seit eh und je das Gebet „Mein Gott, ich glaube an dich …“, das der Engel den Hirtenkindern beigebracht hat, immer vor und nach dem Empfang der hl. Kommunion. Zudem wusste ich zwar, dass es irgendwelche Verbindungen der Familie nach Fatima gibt, da mein Großvater und mein Onkel da irgendwie als Architekten zu tun hatten, aber dass diese Verbindungen uns und eben auch mich so geprägt hatten, ging mir hier von neuem auf. Im Nachhinein hatte ich erfahren, dass sogar das Kloster, in dem wir untergebracht waren, von meinem Opa geplant wurde …

Fatima selbst hat seinen ganz eigenen Charme. Vier Wochen vor dem Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten wirkt der Ort noch sehr beschaulich. Kaum Pilger, wenig Werbung, viel Ruhe, und alles eingebettet in ein eigentlich kleines Örtlein, in dem eben die Muttergottes erschienen ist. Zudem hat es auf mich noch intensiver gewirkt als Lourdes, wo ich einmal sogar zwei Wochen war. Aber Lourdes ist gegen Fatima fast schon ein Betrieb – überall wuseln Krankenschwestern und Italiener. Fatima dagegen war ruhig und beschaulich – und wer wollte, konnte gar auf den Knien über den Platz knien und beten. Wunde Knie gab’s quasi kostenlos obendrauf. Aber für wichtige Anliegen, eine Form, die man doch auch mal auf sich nehmen kann. Haben doch die Hirtenkinder intensiv vorgelebt, was es heißt, Opfer zu bringen.

Zu späterer Stunde haben wir uns auch auf den Weg zum Kreuzweg gemacht.

In einem olivenhain-artigen Garten ist hier erstmals der Engel mit der Kommunion den Hirtenkindern Jacinta, Francesco und Lucia erschienen. Die Stimmung dort war einzigartig. Gut, wir haben dort keinen Kreuzweg gebetet, aber wir konnten an der Stelle der ersten Erscheinung ein Memento einlegen – in dieser fast nächtlichen Stimmung wird dies ein unvergesslicher Moment bleiben. Irgendwie fühlte es sich an wie die Gebetswache am Ölberg – verlassene Ruhe, kaum Licht, und nur Natur um uns herum.

Dass der hl. Johannes Paul II. so ein inniges Verhältnis zu Fatima hatte, macht den Ort nochmal sympathischer. Die von ihm so verehrte Muttergottes ist an der Capelinha leider mittlerweile in Panzerglas gesichert. Doch die Pilger werden nicht müde, dort ihre Anliegen vorzubringen, Kerzen anzuzünden und die Messe dort feiern zu lassen.

Erscheinungsort, an dem erstmals der Engel den Hirtenkindern erschien

Wie schon vor einigen Jahren in Altötting, so habe ich auch in Fatima feststellen können, dass sich Wallfahrtsorte wunderbar als Urlaubsziel eignen. Nirgends sonst kann man so in Ruhe einen Ort genießen und zugleich den eigenen Glauben auf einfache Weise vertiefen, und ja – man kann dort richtig viel Spaß haben!

Wie aber sind wir von Fatima wieder heimgekehrt?

Sicher um ein gutes Stück erleichtert – nicht nur unsere Anliegen konnten wir dort lassen, auch wurde unser Mietwagen unterwegs fast komplett ausgeräumt. Gerade das Ausräumen unseres Autos hatte doch ganz eigenen Charakter: Am Vorabend hatten wir noch heftig über die Bedeutung von Opfer, Sühne und Not für andere erleiden diskutiert, so wie es die drei Hirtenkinder von der Muttergottes erlernt hatten – nun steckten wir in einer Situation, die wir uns alles andere als ausgesucht hatten und die es nun zu bestehen galt. Ich bin mir sicher, dass wir nicht ohne Grund trotz allem in solch einer gelösten Stimmung unsere Wallfahrt und – ja, auch unseren Urlaub – verbringen konnten. Ich werde auf jeden Fall wieder dorthin fahren. Vielleicht gleich ganz ohne Gepäck.

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