Benedikt Josef Labre

Schutzpatron der Tippelbrüder, der Obdachlosen ... und der Unangepassten.

Am 16. April feiert die Kirche gar keine Heiligen, denn der Ostersonntag dieses Jahres verdrängt alles andere Gedenken. Dabei gibt es kaum etwas Österlicheres als die Heiligen; sie leben bei Gott, dem Grund und Ziel ihres Auferstehungsglaubens. Und noch dazu haben es die „Verdrängten“ dieses Tages in sich: Bernadette Soubirous, die Seherin von Lourdes, und Benedikt Josef Labre, der bettelnde und mystisch begabte Pilger auf den Wallfahrtsstraßen Europas.

Der heilige Benedikt Josef Labre auf einer kolorierten Lithographie des 19. Jahrhunderts. Foto: Wellcome Library, London. Wellcome Images images@wellcome.ac.uk

Benoît-Joseph Labre wurde am 26. März 1748 in Amettes im nordfranzösischen Artois geboren und war das älteste von 15 Kindern eines Landwirts. Er zeigte früh schon Anzeichen einer solchen Frömmigkeit, dass ihn seine Eltern mit zwölf Jahren in die Obhut seines Onkels und Taufpaten gaben, der Pfarrer in einem Nachbarort war.

Doch statt sich dem Lateinstudium zu widmen und sich aufs Priesterseminar vorzubereiten, griff der Jugendliche zu den vielen Erbauungsbüchern im Pfarrhaus und entwickelte unter dem Einfluss asketischer Schriften eine so rigoristische und skrupulöse Religiosität, dass er die heilige Kommunion nicht mehr zu empfangen wagte und in ein möglichst strenges Kloster einzutreten wünschte – sehr zum Missfallen seiner Eltern, die in ihm lieber einen Weltpriester gesehen hätten. 

Im August 1766 fiel der Onkel einer Pestepidemie zum Opfer, und Benoît-Joseph kam in das Haus eines weiteren geistlichen Verwandten, der als Pfarrer nur die Kleider trug, die er am Leib hatte, und ein Pfarrhaus ohne Möbel bewohnte, weil er alles weggegeben hatte, um Notleidenden zu helfen. Dieser Onkel unterstützte den Wunsch des jungen Labre, so dass dieser mit 18 Jahren und der Einwilligung seiner Eltern bei einer benachbarten Kartause anklopfte, wo man ihn jedoch seiner Jugend wegen nicht aufnahm.

Einen längeren Aufenthalt in der nächstgelegenen Kartause beendete der Prior mit Hinweis auf seine labile Gesundheit, seine Ängste und seinen Hang zu exzessiver Strenge – Benoît-Joseph fehle die Berufung zum Kartäuser. 

Ähnliches widerfuhr dem jungen Mann bei den Trappisten und zuletzt im Zisterzienserkloster Sept-Fons, das ihn „wegen der geistlichen Leiden, die um seinen Kopf fürchten lassen“, wieder aus dem Noviziat entfernte. Nachdem er überall abgewiesen worden war, fand Benoît-Joseph seine Berufung schließlich in einem Leben als Bettler und Pilger – zu einer Zeit, als Wallfahrten als unnütz galten und Pilger von der „aufgeklärten“ Gesellschaft schief angesehen wurden. Er wanderte von Heiligtum zu Heiligtum und legte zwischen 1770 und 1774 etwa 30.000 Kilometer durch Frankreich, Spanien, die Schweiz und Italien zurück, wobei er sich mit dem mageren Ergebnis seines Bettelns nicht nur demütig zufriedengab, sondern alles immer gleich mit anderen teilte oder es ihnen ganz überließ. Überliefert ist, dass der knapp 1,60 Meter große, rothaarige Mann mit dem zotteligen Bart und den abgerissenen Kleidern in Bari vor dem Gefängnis Lieder zum besten gab und die zugeworfenen Geldstücke an die Insassen weiterverteilte. Auf seinen Pilgerreisen ging ihm so ein gewisser Ruf der Heiligkeit voraus, und die Geistlichen, die mit ihm ins Gespräch kamen, weil ihnen sein stundenlanges Verweilen im Gebet vor dem Altar aufgefallen war, konnten sich von seiner tiefen Frömmigkeit überzeugen.

Die Kirche Santa Maria ai Monti in Rom. Foto: LPLT/Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0).

Nach einem längeren Aufenthalt im Marienwallfahrtsort Loreto ließ er sich in Rom nieder, wo er einige Jahre in den Ruinen des Kolosseums gelebt haben soll und wo ihm zahlreiche mystische Gnadenerweise zuteilwurden. Er trat dem franziskanischen Drittorden bei und legte zur vollkommenen Abtötung des Fleisches das Gelübde ab, sich nicht mehr zu waschen – Labres Geruch und Befall mit Ungeziefer waren so unerträglich wie sprichwörtlich.

Völlig entkräftet von den Reisestrapazen und nächtelangem Beten in den Kirchen, in denen das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt war, starb der „Heilige des 40stündigen Gebets“ am 16. April 1783, dem Mittwoch der Karwoche, im Haus des Fleischers Zaccarelli, der seinen 35jährigen Freund bewusstlos auf den Stufen der Kirche Santa Maria ai Monti liegend aufgefunden hatte.

Die Nachricht seines Todes verbreiteten die römischen Kinder mit dem Ruf „È morto il santo – der Heilige ist tot!“, und sein Begräbnis gestaltete sich zu solch einem Menschenauflauf, dass Papst Pius VI. seine Korsische Garde einschreiten ließ und die Feierlichkeiten der Karwoche in dieser Kirche unterbrochen werden mussten.

Gleich nach seinem Tod wurden 136 auf seine Fürbitte zurückgehende Heilungswunder amtlich festgehalten, und sein Seligsprechungsverfahren wurde eröffnet. 

Es kam allerdings erst 1860 durch Papst Pius IX. zur Vollendung, weil ihn die rigoristischen Jansenisten für sich reklamierten und Labre tatsächlich etwas aus dem Rahmen der kirchenüblichen Frömmigkeit fiel. 1881 endlich wurde er von Papst Leo XIII. heiliggesprochen. Benoît-Joseph Labre ruht im linken Seitenschiff der Kirche Santa Maria ai Monti unter einem Marmoraltar, vor dem er liegend abgebildet ist.

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