Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 13. Februar 2018Anna Wagner

„Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,16–20)

Was für ein Zuspruch: Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Dieser Zuspruch folgt auf die Zweifel der Jünger und den Auftrag, in die Welt hinauszugehen, die frohe Botschaft zu verkünden und die Menschen durch die Taufe in die Gemeinschaft der Christen aufzunehmen. 

Bild: Anna Wagner.

Der Jesus, der auf dem Foto abgebildet ist, ist auf dem Deckengemälde in der Kirche St. Ulrich in Königsbrunn zu sehen. Jesus schaut herab auf die Menschen, vor allem auf den hl. Ulrich, die vor ihm knien und beten. Die Menschen befinden sich in der Schlacht auf dem Lechfeld. Im Hintergrund tobt die Schlacht. Es brennt. Jesus breitet seine Arme aus, er schaut liebevoll herab auf diese Menschen, und es scheint, als würde er ihnen zusprechen: Ich bin mit euch alle Tage. Ihr dürft in eurer Not zu mir kommen. Ich bin da und erhöre euer Gebet. 

Jesus ist da in den Zweifeln, die wir haben. Gibt es Gott? Ist er es, der diese Welt erschaffen hat? Warum passiert all das Unglück, wo wir doch an einen liebenden Gott glauben? Jesus begegnet den Menschen, wenn sie fragen, wenn sie ins Zweifeln geraten, er ist da, wenn alles um einen herum mehr und mehr kaputtgeht. Jesus spricht hinein in das Leid, in die Zweifel, in all das, was uns Menschen fragen lässt. Er spricht uns zu: Ich bin mit euch, ich lasse euch nicht allein, ich bin der Sohn des Gottes, der der Ich bin da ist. 

Auf dem Bild ist Krieg dargestellt, Zerstörung, Leid, Kampf und Tod, aber das alles steht im Hintergrund. Im Vordergrund sind Menschen, die dieses Chaos für eine Weile verlassen haben, die sich in all dem, was sie bewegt, ganz vertrauensvoll an Jesus wenden. Es ist eine Szene, die Ruhe ausstrahlt. Die Ruhe, das Vertrauen, die Liebe und die Fürsorge Jesu breiten sich aus, wirken in den Menschen, die an ihn glauben. In dieser Gelassenheit spricht Jesus zu: Ich bin mit euch alle Tage. 

Er ist da. Wenn ich in St. Ulrich sitze und diesen Jesus betrachte, dann spüre ich immer wieder, dass er da ist. Er ist da, wenn wir miteinander Gottesdienst feiern, wenn wir fröhlich sind und unseren Glauben feiern, aber er ist auch da, wenn wir Abschied nehmen, wenn in dieser Kirche an einen Verstobenen gedacht wird, der von seinen Angehörigen auf dem letzten Weg begleitet wird. Er ist da, egal, was gerade um uns herum geschieht, und er streckt uns seine offene Hand entgegen. Er blickt liebevoll auf uns herab, wenn wir uns Zeit nehmen, um ihm zu begegnen. 

Die Ruhe, die Jesus auf dem Bild ausstrahlt, sie wirkt sich so oft auch auf mich aus. Indem ich Jesus betrachte, werde auch ich still. Wie auf dem Bild kann ich für eine Weile meinem Alltag entfliehen, mich lösen von all dem, was mich umgibt, und mir zusprechen lassen: Ich bin jetzt für dich da, und ich bin alle Tage für dich da. 

Diese Worte Jesu schenken mir Trost. Es sind die Worte, die meine Eltern als Evangelium für ihre kirchliche Trauung ausgewählt hatten, und es sind die Worte, die bei meinem Vater auf dem Grabstein stehen. Jesus spricht mir zu, dass er alle Tage bei mir ist, dass er für mich da ist, dass er mich begleitet in der Trauer und in meinem Leben, das ich ohne meinen Vater leben muss. Wenn ich am Grab meines Vaters stehe und die Inschrift lese, dann werden diese Worte oftmals aber auch zu seinen Worten. Auch er ist da, alle Tage. Er ist da in unseren Erinnerungen, ins unseren Gesprächen, in dem, was er uns erzählt hat, und in dem, was wir von ihm lernen durften. Er ist da an den Orten, an denen wir gemeinsam waren, und er ist da, wenn er mir zuspricht: Ich bin alle Tage bei dir.

Im Zweifel, in meinen Sorgen, in schweren, wie in guten Zeiten, habe ich Christus und meinen Vater, die mir zusprechen: Ich bin alle Tage mit dir. Mit diesem Zuspruch kann ich mit Freude in die Welt hinausgehen und den Menschen die Botschaft Christi verkünden. Ich bin, wie es im ersten Petrusbrief steht, stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die mich erfüllt. 

ICH BIN MIT EUCH ALLE TAGE BIS ZUM ENDE DER WELT.