Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 04. Januar 2018Anna Wagner
Bild: Bernard Forien, commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0, bearbeitet.

Mein Vater,
ich überlasse mich dir,
mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.
Zu allem bin ich bereit,
alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt
und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele;
ich gebe sie dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe,
und weil diese Liebe mich treibt,
mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen, ohne Maß,
mit einem grenzenlosen Vertrauen;
denn du bist mein Vater.
(Charles de Foucauld)

Vor ein paar Jahren habe ich von einer wichtigen Wegbegleiterin eine CD geschenkt bekommen. Als ich diese das erste Mal gehört habe, da habe ich mich in dieses, mein Lieblingsgebet verliebt. Es wird während eines Liedes vorgelesen. Es spricht mir aus meinem Innersten, drückt das aus, was mich und meinen Glauben ausmacht. Für mich ist es wichtig, mehr und mehr zu lernen, mich hinzugeben, mich meinem Gott und Vater zu überlassen. 

Hingeben heißt für mich, mich ein stückweit selbst aufzugeben, um der Liebe Gottes Raum zu geben. Hingeben heißt für mich, zu wachsen im Glauben, in der Liebe zum Vater, aber auch zu wachsen in der Liebe zum Nächsten.

„Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! … Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. … Sorgt euch nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.“ (Mt 6,25–34)

Diese Bibelstelle wird für mich im Gebet aufgegriffen. Sie bedeutet für mich, sich nicht zu stressen, ein Stück weit loszulassen. Indem ich loslasse, indem ich aufhöre, mich zu sorgen, indem ich lerne, mich zu überlassen, mich hinzugeben, anzunehmen, erfahre ich die Zuwendung Gottes, sein Geschenk an mich. Er schenkt mir immer wieder neu seine Liebe und seine Fürsorge. Ich darf mich in seine Hände legen und mich seinem vollkommenen Wesen anvertrauen. Er, der mich besser kennt als alle anderen, der mich liebt und mich geschaffen hat, er ist da im Loslassen, im Hingeben. 

Wenn wir das Vaterunser beten, dann bitten wir Gott, dass sein Wille in dieser Welt geschehe. Das ist oft schnell dahingesagt, mit der Gottesdienstgemeinde im Einklang und einer gewissen Routine, aber ich versuche, mir immer wieder bewusst zu machen, dass es bedeutsam ist, dass ich mich zurücknehme, meinen Willen, meinen Egoismus in den Hintergrund setze und mich dem Willen Gottes anvertraue. Er hat die Welt nach seinem Willen geschaffen, und sein Wille ist es, der in der Zeit wirkt. Mein Vater ist es, der die Zeiten überblickt und weiß, was gut für diese Welt ist. Ich brauche mir keine Sorgen zu machen um das Morgen, sondern ich muss jeden Tag neu versuchen, an mir und durch mich, seinen Willen in dieser Welt geschehen zu lassen. Ich darf mich und mein Leben in seine Hände legen, und Gott wirkt. Was ich tun muss, ist zuzulassen, dass nicht mehr ich im Mittelpunkt stehe, sondern dass der Herr es ist, der zum Zentrum für mein Leben wird. Was ich tun muss, ist zu lieben, den Herrn von ganzem Herzen zu lieben, ihn immer mehr lieben zu lernen, durch die Bereitschaft, ihn immer besser kennenzulernen, ihm mehr und mehr Raum in meinem Leben zu geben. Was ich tun muss, ist ihm zu vertrauen, der sich um mich sorgt und der für mich sorgt, der mich kennt und liebt, der mich geschaffen hat und mich in seinen Händen hält, mein Leben lang und über den Tod hinaus.

Das ist für mich verbunden mit einem Gefühl der Dankbarkeit. Ich versuche, mir jeden Tag bewusst Zeit zu nehmen, um mir Gedanken zu machen, wofür ich heute dankbar bin. In diesem Gefühl der Dankbarkeit kann ich das, was mir von Gott geschenkt ist, annehmen und aber auch wieder ihm, der es mir geschenkt hat, überlassen. Im Gefühl der Dankbarkeit verbindet sich das, was mir geschenkt ist, mit dem, der es mir geschenkt hat. Sein Wille geschehe, und ich bin dafür dankbar.