Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 28. Dezember 2017Stephan Köser

Weihnachtlicher Kerzenschein

Offiziell ist Weihnachten schon wieder rum. Wenn man aber wie ich in einem Haus großgeworden ist, das Traditionen pflegt, dann steht auch jetzt der Christbaum noch im Wohnzimmer und darf ein wenig die schnell dunkelwerdenden Tage erleuchten. Überhaupt hat das Licht in dieser Zeit für mich eine ganz besondere Wirkung und Kraft, und wenn ich die Kerzen an unserem Baum sehe, denke ich auch immer an die Waldweihnacht der KHG Augsburg.

Da stehe ich also in dunkler Nacht. Hinter mir gluckst und murmelt der Bach, vor mir ein freies, weites Feld im Finstern. Zu meiner Linken steht Marius und sichert die andere Seite des Brückenaufgangs. Ein jeder, der uns entgegenkommt, streckt entweder dem einen oder dem anderen die Hand entgegen und lässt sich durch die Pfützen und über den rutschigen Boden auf die sichere Brücke helfen. In der anderen Hand trägt jeder eine Kerze - alle haben sie ein Licht mit auf den Weg gebracht. Auch meine Kerze habe ich fest in meiner rechten Hand. Es ist eiskalt, und doch haben sich wieder fast 100 junge Menschen auf den Weg in den Siebentischwald hier in Augsburg gemacht, um gemeinsam die Messe an verschiedenen Orten unter den Bäumen zu feiern. In den Gesichtern, die mir entgegenkommen, spiegeln sich viele verschiedene Gedanken wider. Da sind die Interessierten, die das erste Mal dabei sind und sich das Ganze erst einmal anschauen müssen; die Lächelnden, die das ganze Jahr auf diesen Moment warten; und die Stillen, die tief in sich versunken auf die kleine Flamme schauen.

Alle tragen sie das Licht mit sich. Es hat etwas schlichtes, anspruchsloses, ja vielleicht sogar genügsames, in dieser Kälte durch den Wald zu gehen und das Geheimnis der Geburt Jesu mal auf andere Art und Weise zu erfahren. Ich gebe gerne zu, dass meine Füße und Hände frieren. In dem Moment, in dem ich schon klagen möchte, denke ich mir: "Wie muss das wohl in diesem Stall, in dieser heiligsten Nacht gewesen sein?", und ich schlucke meinen Protest herunter.

Da stehen wir nun auf der altbekannten Lichtung. In der einen Hand die Kerze, in der anderen die Hostie. Das flackernde Licht fällt auf das kleine Stück Brot, und für mich wird in diesem Moment die Verbindung zwischen den beiden, die Bedeutung der Worte "Jesus ist das Licht der Welt" in einer Einfachheit für mich deutlich, die ich nur hier erfahren kann. Kurz darauf - als wir zurückkehren in den Schein der ersten Straßenlaternen - fangen die Kerzen an zu erlöschen, doch viele tragen heute das Licht mit zu sich nach Hause und durch diese Weihnachtszeit hindurch.