Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 05. Dezember 2017Alex Barth

„GENDER – Herausforderung für Christen“ – Ein Flyer am Schriftenstand in der Kirche fällt auf.

Bild: © Shutterstock.

„Eine Information des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Augsburg. Was ist „Gender? Um dieses Schlagwort gibt es heftige Debatten, die letztlich jeden von uns angehen…“ Ich fange an zu lesen. „Der Begriff „Gender Mainstreaming“ bedeutet offiziell, dass Politik und Institutionen bei allen Maßnahmen und Entscheidungen die unterschiedlichen Lebenslagen von Frauen und Männern und die Auswirkungen auf die Gleichstellung beider Geschlechter berücksichtigen. Gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Lohngerechtigkeit sind allgemein akzeptierte Konsequenzen daraus.“ 

Ja, das finde ich gut. Doch warum ein neues Wort? hieß dass früher nicht einmal ‚Gleichberechtigung‘? Doch auch dieser Begriff hat sich schon wieder verändert: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es. Gemeint ist: Alles was das Frausein ausmacht, sei das Ergebnis der Macht der Männer (Patriarchat) und der daraus folgenden Prägung, Erziehung und Stellung der Frau. 

Dieser Grundsatz des Feminismus wird von vielen Gendertheoretikern so verstanden, dass die biologische Grundlage des Menschen (sex) praktisch bedeutungslos sei und jeder sein soziales Geschlecht (gender) frei wählen könne und solle. Auf diese Weise entstünden Tausende verschiedener Geschlechter und Geschlechterbeziehungen. Alle seien gleichberechtigt und dürften nicht diskriminiert werden. Die Zweigeschlechtlichkeit und das Aufeinder-Bezogensein von Mann und Frau wird als „Heteronormativität“ oder „Zwangsheterosexualität“ abgetan.“ 

Ok. Das scheint mir nun ein Lösungsversuch für Probleme zu sein, die es ohne diesen nicht geben würde. Auf der Seite muss alles Bio sein, meine Milch, mein Schnitzel, meine T-Shirt, aber beim Geschlecht gilt nicht mehr Bio? 

Was sich wie eine verrückte Idee anhört, wird bei bestimmten Politikern und Parteien zum ernsthaften Ziel und zwar durchaus erfolgreich: Auf allen Ebenen, von der Europäischen Union bis hin zu Landesministerien, wird der Kampf gegen „Homophobie“ und „Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung“ festgeschrieben. Vielfach ist damit die Forderung nach Legalisierung von „Leihmutterschaft“, „Recht auf Abtreibung“, „Ehe für alle“ usw. verbunden.

  • Das Familienbild auf der Basis Vater-Mutter-Kind und der Liebe zwischen Mann und Frau soll dann nur eines von vielen und mit allen anderen Formen von Sexualität und Partnerschaft gleichwertig sein.
  • Gendergerechte Sprache soll „antidiskriminieren“ und wird an den Universitäten bereits durchgesetzt: Statt Studenten muß es z.B. „Studierende“ heißen. Dafür gibt es genaue Vorschriften. Wer dies in seinen Arbeiten nicht berücksichtigt, hat Nachteile.
  • In immer mehr Bildungsplänen für Schulen usw. wird eine „tabufreie Sexualerziehung“ verankert. Kindern soll die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ anerzogen werden. Homo- und Transsexualität, „Regenbogen-familien“ und alle möglichen sexuellen Spielarten sollen möglichst früh und in möglichst vielen Fächern möglichst anschaulich vermittelt werden.“

Also typisch deutsch. 150%. Und über das Ziel hinaus. Eine Revolution von oben. Steht das eigentlich so klar in den Wahlprogrammen der Parteien? Und wenn es meine eigenen Kinder in der Grundschule betrifft, dann ist es ja doch nicht nur etwas für einige wenige in Berlin. Und, immer wenn Sprache gezielt verändert wird, erinnere ich mich an das „Neusprech“ von Orwells „1984“. Sprachmanipulation, um Ziele oder Ideologien zu verschleiern.

„Grundlagen einer christlichen Sicht"

Bild: © Shutterstock.

Gott schuf uns Menschen als sein Abbild. Er schuf den Menschen als Mann und Frau. Die lebenslange Gemeinschaft eines Mannes und einer Frau ist die Ehe. Die Ehe soll offen sein für die Kinder, die Mann und Frau zeugen. So entsteht Familie. Kinder haben das Recht auf ihre Eltern. Und Eltern haben das Recht und die Pflicht, ihre Kinder zu erziehen. Auf das natürliche Schamgefühl und die individuelle Reife jedes Kindes muss Rücksicht genommen werden.

Die Beziehung von Mann und Frau soll von Verständnis und Respekt geprägt sein. Männer und Frauen müssen vor dem Gesetz gleich sein und für gleiche Arbeit gleichen Lohn bekommen. Der Staat hat die Aufgabe, Ehe und Familie zu schützen. Der Staat hat nur sehr bedingt in die Erziehung einzugreifen. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben und die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.

„Sex“ und „Gender“ sind durchaus zu unterscheiden. Man kann sie aber nicht voneinander trennen. Sie sind aufeinander bezogen, keines geht im anderen auf. Wie der Einzelne diese Beziehung zwischen seinem Körper, seinen Neigungen und gesellschaftlichen Erwartungen gestaltet, ist seine lebenslange Aufgabe. Jedem Menschen ist mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen, egal welchen gesellschaftlichen Stand, welche sexuelle Neigung er hat und welchem Geschlecht er sich zugehörig fühlt.

Der Kampf gegen Diskriminierung und die Aufforderung zur Toleranz können jedoch nicht bedeuten, dass Sprache, Gesetze und Bildung künstlich normiert werden durch die angeblichen Interessen von sehr kleinen sexuellen Minderheiten. Wachsamkeit ist geboten, wenn der Eindruck entsteht, dass der überwältigenden Mehrheit Vorschriften gemacht werden, die über Toleranz und Schutz vor Diskriminierung hinausgehen und zu denen niemand befragt wurde außer etwa Vertreter von Lobbygruppen.“

AMORIS LAETITIA

Bild: © Shutterstock.

Diese Grundlagen sollten doch unsere Grundlagen bleiben. Vater-Mutter-Kind war, ist und wird wohl immer das normalste Familienbild sein. Stabile Kinder kommen doch meist aus stabilen Familien. Jede Gesellschaft kann zusammenbrechen, und wer hält dann zusammen? Familien. Wie sieht das den Papst Franziskus? 

 „Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus verschiedenen Formen einer Ideologie, die gemeinhin Gender genannt wird und die den Unterschied und die natürliche Aufeinander-Verwiesenheit von Mann und Frau leugnet. Sie stellt eine Gesellschaft ohne Geschlechterdifferenz in Aussicht und höhlt die anthropologische Grundlage der Familie aus. 

Diese Ideologie fördert Erziehungspläne und eine Ausrichtung der Gesetzgebung, welche eine persönliche Identität und affektive Intimität fördern, die von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau radikal abgekoppelt sind. Die menschliche Identität wird einer individualistischen Wahlfreiheit ausgeliefert, die sich im Laufe der Zeit auch ändern kann. Es ist beunruhigend, dass einige Ideologien dieser Art, die behaupten, gewissen und manchmal verständlichen Wünschen zu entsprechen, versuchen, sich als einzige Denkweise durchzusetzen und sogar die Erziehung der Kinder zu bestimmen. Man darf nicht ignorieren, dass das biologische Geschlecht (sex) und die soziokulturelle Rolle des Geschlechts (gender) unterschieden, aber nicht getrennt werden können. Andererseits hat die bio-technologische Revolution im Bereich der menschlichen Zeugung die technische Möglichkeit geschaffen, den Akt der Zeugung zu manipulieren und ihn von der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau unabhängig zu machen. Das menschliche Leben und die Elternschaft sind auf diese Weise zu etwas geworden, das zusammengefügt oder getrennt werden kann. Sie unterliegen nun vor allen Dingen den Wünschen des Einzelnen oder des Paares. Verständnis zu haben für die menschliche Schwäche oder die Vielschichtigkeit des Lebens, ist etwas anderes, als Ideologien zu akzeptieren, die beabsichtigen, die in der Wirklichkeit untrennbaren Aspekte in zwei Teile auseinanderzunehmen. Verfallen wir nicht der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen! Wir sind Geschöpfe, wir sind nicht allmächtig. Die Schöpfung geht uns voraus und muss als Geschenk empfangen werden. Zugleich sind wir berufen, unser Menschsein zu behüten, und das bedeutet vor allem, es so zu akzeptieren und zu respektieren, wie es erschaffen worden ist.“ Papst Franziskus, AMORIS LAETITIA (19.3.2016), Nr. 56“

Was können wir Christen tun?

Der Papst warnt also ebenfalls eindringlich davor. Gerade auch, wenn es um die Erziehung unserer Kinder geht. Doch was können wir Christen hier denn tun? 

  • „Sich mit dem christlichen Menschenbild und der Lehre der Kirche befassen, sich informieren, Medienbeiträge kritisch und aufmerksam verfolgen.
  • In der Pfarrgemeinde, im Freundes-, Kollegen- und Bekanntenkreis Stellung beziehen. 
  • Leserbriefe schreiben, Petitionen unterstützen, sich an Unterschriftensammlungen und ggf. Demonstrationen beteiligen.
  • Das Geschehen in Schule und Kindergarten verfolgen, Bildungspläne und die Rechte der Eltern kennen, sich über den Elternbeirat einbringen.
  • In Parteien und Verbänden für den Schutz von Ehe und Familie eintreten, wählen gehen.“

Das will ich tun. Wenn ich dieses Thema im Freundeskreis anschneide, erlebe ich beim Erwähnen von Gender-Mainstreaming und seinen Auswüchsen, Erstaunen und Ungläubigkeit. Manchmal aber auch die  Haltung, „jeder soll doch glücklich werden, wie er mag - alles ist irgendwie möglich.“ Toleranz über alles. Mag schon sein. Aber es muss doch möglich sein, Vater-Mutter-Kind als „Otto-Normalfamilie“ hochzuhalten und als erstrebenswertes Familienbild zu vertreten, ohne gleich eine -phobie gegenüber anderen zu haben.

Danke dem Diözesanrat der Katholiken im Bistum Augsburg, für den informativen Flyer „GENDER – Herausforderung für Christen“, den man dort auch beziehen kann. (Alle kursiv gehaltenen Textstellen sind dem Flyer entnommen.)