Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 01. Dezember 2017Dekan Ludwig Waldmüller

Es war ein besonderes Erlebnis: Mitte September haben mein evangelischer Amtskollege Christoph Schieder und ich gemeinsam beim „Schwabentag“ in Augsburg mitgewirkt – wie die anderen ehemaligen schwäbischen Reichsstädte, so präsentierte sich auch Memmingen in der Augsburger Fußgängerzone und auf dem Rathausplatz. 

Bild: Privat.

Wir zwei hatten uns einen etwas anderen Beitrag einfallen lassen: Als ökumenisches Straßenmusiker-Duo stellten wir uns an verschiedene Ecken der Stadt Augsburg und spielten Trompeten-Duette; Kirchenlieder genauso wie etwa die Arie des Papageno aus Mozarts Zauberflöte „Ein Vogelfänger bin ich ja“. Dazu hatten wir uns natürlich auch deutlich erkenntlich gekleidet: mein evangelischer Kollege im so genannten Lutherrock, und ich im Talar mit dem berühmten Saturno auf dem Kopf, also jenem Hut, den man eigentlich immer sofort mit Don Camillo identifiziert … Wir sorgten für Aufmerksamkeit; immer wieder blieben Leute stehen – und das alte Birett, das uns als Spenden-Hut diente, füllte sich, so dass wir hinterher auch eine schöne Summe für die Wirbelsturm-Opfer in der Karibik an das Hilfswerk Misereor überweisen konnten. Was uns aber immer wieder begegnete, war eine besondere Frage: „Ja, sind Sie denn echt?“ Diese Frage beschäftigt mich seitdem; ich frage mich nämlich, ob das nicht etwas ist, was wir Christen uns wirklich immer wieder fragen lassen müssen? Sind wir so sehr Christen, dass wir wirklich „echt“ sind? Authentisch? Erkennbar? Überzeugend? 

Diese Frage, denke ich, war eine, die durch das Reformationsgedenken in diesem Jahr in Deutschland eine große Aufmerksamkeit bekommen hat, und es ist eine, die gerade in der Advents- und Weihnachtszeit wieder zu stellen ist. Wie viel von dem, was da um Weihnachten herum geschieht, ist „echt“, wie vieles davon einfach nur „Show“? Ich finde, wir müssen als Christinnen und Christen solche sein, die gerade in einer Zeit wie Advent und Weihnachten, in der die Menschen auf die Botschaft vom menschgewordenen Gott schauen und sensibel sind für religiöse Wahrheiten, uns um die Echtheit unseres Christseins bemühen. Christ oder Christin kann man wohl nur sein, wenn man es echt und ganz ist. 

Wahrscheinlich ist das auch eine Frage, wenn es darum geht, wie wir auf andere wirken und die Botschaft von Christus weitergeben wollen: Nur wenn wir „echt“ sind, wirkt auch unsere Botschaft. Und das gilt für uns als einzelne, aber auch für unsere Gemeinden, Verbände, Bewegungen, für die Diözese, ja für die Kirche als Ganzes. Sind wir echt?