Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 24. Oktober 2017Constantin & Marie-Sophie Maasburg

Constantin (Con) und Marie-Sophie (Isi) Maasburg haben ein Jahr bei der Incense verbracht – ein Jahr des Gebets, der Schulung und Mitarbeit in den Dienstbereichen des Gebetshauses Augsburg. Wir wollten wissen, wie sie dieses Jahr im Rückblick bewerten.

Frage: Wie muss man sich die „Jüngerschaftsschule“ Incense im Gebetshaus Augsburg vorstellen?

Con: Die Jüngerschaftsschule „Incense“ kann man sich wie eine Bibelschule mit besonderem Fokus auf Gebet und Lobpreis vorstellen: Wir verbringen täglich vier Stunden im Gebetsraum, sechs Tage die Woche. Das mag einem viel erscheinen, aber durch unterschiedliche Gebetsformen (gestalteter Lobpreis, kontemplatives Gebet, Bibelmeditation, Fürbitte) können einem die vier Stunden manchmal sogar knapp vorkommen.

Unterricht zu unterschiedlichsten Themen gibt es ca. sieben Wochenstunden – mit starkem Alltagsbezug, verglichen mit einem Theologiestudium. Damit die Inhalte nicht isoliertes Kopfwissen bleiben, sondern ins Herz sickern können, bekommen Studenten der Jüngerschaftsschule Zeit zur persönlichen Reflexion, Zeit zu Austausch und Gebet in Kleingruppen und Coaching. Das kann tatsächlich lebensverändernd sein.
Schließlich kommen noch Gemeinschaftszeiten, Mitarbeit in verschiedenen Dienstbereichen sowie das wöchentliche Putzen vor.

Im Unterrichtssaal. Bild: Gebetshaus Augsburg, bearbeitet.

Frage: Was kann die Incense, was ein Theologie-Studium nicht kann?

Con: Die „Incense“ ist nicht primär akademisch konzipiert, sondern vielmehr auf persönliche Herzensveränderung ausgelegt. Die Inhalte sind nicht in erster Linie für Vorlesungen im Hörsaal gedacht, sondern werden durch das Zeugnis des eigenen Lebensstils für andere erlebbar. Alle Erkenntnis kommt durch die lebendige Beziehung zu einer Person: Jesus Christus.

Isi: Anfangs dachte ich, dass die Jüngerschaftsschule wenig Bibelstudium beinhaltet. Aber in den Gebetszeiten mit „Lobpreis mit der Bibel“ habe ich Erstaunliches erlebt: In den zwei Stunden, in denen ein oder zwei Bibelverse meditierend gesungen, paraphrasiert und gebetet werden, durfte ich erfahren, dass das Wort Gottes tiefer ist als breit. Hinter einem kleinen Vers, beispielsweise „Du deckst mir den Tisch vor dem Angesicht meiner Feinde“, verbirgt sich ein ganzer Horizont an Zusammenhängen. Mir wurde beispielsweise bewusst, wer konkret meine Feinde sind: Aggression, Unzufriedenheit, Selbstzweifel und noch einige weitere. Und ich habe erlebt, dass diese meine Feinde nicht verschwinden, aber ich vom Tisch des Herrn alles nehmen kann, damit sie keine Macht über mich haben. Ich konnte quasi sehen, wie der Herr mir mit Ausdauer, Sanftmut und Freude den Tisch deckte und konnte zugreifen. So finden einzelne Verse ihren Platz im Gesamtkontext der Bibel und „erblühen" in Tiefe und Schönheit. Da sinken sie leicht ins Herz. Das war für mich eine neue Dimension, die ich sehr zu schätzen gelernt habe.

Frage: Letztes Jahr habt ihr geschrieben: „Wir tragen beide die Sehnsucht im Herzen, Gott besser kennenzulernen.“ Hat sich diese Erwartung erfüllt ?

Isi: Für mich waren es sehr intensive Monate, die auch nicht ohne Spannungen abliefen. Am Anfang der Zeit haben wir zu Gott gesagt: „Du kannst in dieser Zeit mit uns machen was du willst.“ Mich persönlich hat er in eine Phase der totalen Konfrontation mit mir selbst geschickt. Das war teilweise so anstrengend, dass ich gerufen haben: „Hör auf – ich kann nicht mehr!“ Aber im Rückblick muss ich sagen, dass jeder Kampf es wert war, und vor allem zu Hause mit den Kindern die Gegenwart Gottes für mich viel greifbarer geworden ist.

Con: Viele Glaubensinhalte, die ich bereits in das Gebetshaus Augsburg mitgebracht habe, wurden vertieft, konkretisiert und gefestigt. Besonders im Gebet. Als Katholik war mir das Gebet in Stille vertraut und kostbar. Während der „kontemplativen Tage“ im Gebetshaus wurden meine Gebetsgewohnheiten jedoch behutsam in alle Einzelteile zerlegt und dann neu zusammengefügt. Gebet ist mehr Sein als Tun. Gott offenbart sich Mose im brennenden Dornbusch als der „Ich bin da“. Gott ist also im Hier und Jetzt. Leider bin ich da eher selten. Sondern mehr im Denken, Grübeln, Wollen, Erbitten, Klagen, Wünschen usw. Ich hatte bereits die Erfahrung gemacht, dass der Herr Großes an mir wirken kann im Gebet, wenn ich mal still werde, geistig den Mund halte und auf Empfang schalte. Aber irgendwie vergesse ich das immer wieder. Während der kontemplativen Tage – im Schweigen – durfte ich mir dessen wieder bewusst werden. Man sagt, der Heilige Geist ist ein Gentleman, der einen immer ausreden lässt. Solange man spricht, hört er einfach geduldig zu. Wenn ich dann mal fertig bin, dann spricht er zu mir. Was für ein Geschenk!

Auch „Fehlstellungen“ im Glauben wurden korrigiert. Beides geschieht vor allem im Gebet, aber auch durch die sehr plastischen Vorträge und nicht zuletzt auch im Austausch mit den Mitstudenten. Man kann ja vieles im Kopf glauben, aber das macht sich für Außenstehende nicht im Lebensstil bemerkbar. So können wir nicht effektiv verkündigen.

Während der Jüngerschaftsschule bin ich auch durch unangenehme Momente gegangen, in denen alte Gedankengebäude oder Verhaltensmuster – teils schmerzhaft – eliminiert wurden. Zum Beispiel weiß ich zwar theoretisch, dass Jesus mich durch das Kreuz und die Auferstehung erlöst, um den Preis seines kostbaren Blutes freigekauft hat, aber in der Praxis lebe ich das nicht. So ein bissl möcht ich mich doch auch selbst erlösen, mir das ewige Leben verdienen. Sonst brächten mir doch all meine guten Werke und meine Frömmigkeit keinen Vorteil. Die Lehre vom Reich Gottes hat meinen Glauben erschüttert. Es bedurfte mehrerer Vortragseinheiten, bis ich begriffen und verinnerlicht habe, dass ich dem Erlösungswerk Christi rein gar nichts hinzufügen kann. Ich bin eingeladen, es einfach anzunehmen und zu akzeptieren, dass es ausreicht für all meine Sünden, Schwächen und Unvollkommenheiten. Aus Gnade bin ich gerettet. Das ist ziemlich groß.

Die „Incense“ bietet jedem den geschützten Rahmen, in dem das möglich ist. Ich bin überzeugt, dass jeder der 32 Absolventen Ende Juli mit einem stark veränderten Herzen in die Zunkunft blickt.

Frage: Wie habt ihr euch finanziert?

Wir hatten das Glück, dass wir durch meine vorherige Anstellung ausreichend Rücklagen bzw. Einkünfte hatten, um diese zehn Monate aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Gleichzeitig hatten wir von Isis Patentante etwas Geld geerbt, was für uns ein Geschenk des Himmels war und diese Zeit sehr erleichtert hat. Gott hat uns auch hier wieder gezeigt, dass er für uns sorgt.

Frage: Als Mitarbeiter im Gebetshaus Augsburg lebt man ja auf Spendenbasis. Ist es nicht unmoralisch, sich sozusagen „für’s Beten“ bezahlen zu lassen?

Bild: Privat.

Nach langem Wägen und nach einem langen Weg im Gebet haben wir entschieden, dass wir als Familie in Augsburg bleiben und ich im Gebetshaus als Missionar arbeite. Spätestens ab hier begeben wir uns in die Hände Gottes und glauben, dass Seine Vorsehung uns versorgen wird. Ich bin nicht der Meinung, dass es unmoralisch ist, wenn man seine Arbeitskraft einem Werk wie dem Gebetshaus zur Verfügung stellt und von Spenden lebt.

 Paulus sagt: „Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn.“ Dass Gebet auch mühevoll und arbeitsam sein kann, haben vermutlich die meisten schon erlebt. Ich arbeite zwei Drittel meiner wöchentlichen Arbeitszeit in einem Dienstbereich, d.h. ich bin verantwortlich, das gerade entstehende Gästehaus in die Eröffnung zu führen und dann am Laufen zu halten. Das unterscheidet sich im Grunde nur in einem – zugegeben gravierenden – Punkt von einer vergleichbaren weltlichen Arbeit: Ich tue alles zur Ehre Jesu und nicht für einen Shareholder Value oder die Quartalsprämie. Ich darf jeden Tag zwei bis drei Stunden beten, am Arbeitsplatz! Wenn das nicht der Traum eines jeden Christen ist? Wer im Reich Gottes arbeitet, hat auch Anrecht auf eine Reich-Gottes-Entlohnung. Diese Entlohnung ist facettenreich und üppig. Die monetäre Facette bemisst sich daran, wie viele Herzen der Herr bewegt, finanziell an dem Werk teilzuhaben. Ich finde, diese etwas unorthodoxe Variante des Einkommens schenkt uns eine große Freiheit. Ich bin all denen zutiefst dankbar, die ihr Herz weich und weit machen und uns finanziell versorgen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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