Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 15. September 2017Alex Barth

Der Weg zur Heiligkeit ist weit und lang. Genauso wie mein Beichtzettel, der Produkt vieler Gewissenerforschungen war und ist. Es ist schon erstaunlich, wie man durch regelmäßiges Beichten nicht nur Ballast ablädt, seine Beziehung zu Gott bereinigt, sondern auch feinfühliger in der Wahrnehmung von richtig und falsch wird. Ein Personal Training mit Reinheitsgarantie.

Bild: Gabor Tokyo, flickr.com, CC BY-SA 2.0, bearbeitet.

7. Gebot: Du sollst nicht stehlen.

Ein klares Gebot. Stehlen darf man nicht. Das lernt man schon als Kind. Dennoch hat es jeder schon mal getan. Man bekommt im Supermarkt zu viel Wechselgeld heraus, oder es wurde vergessen, die Getränkekiste unten im Einkaufswagen abzurechnen. Gelegenheit macht Diebe. Es gab Zeiten, da war ich ein Robin Hood. Ich nahm’s den Reichen und gab’s mir Armen. Die selbst zerstörte Fotokamera wird zum Haftpflichtschaden, das Candlelightdinner mit der Freundin als Geschäftsessen abgesetzt. Die haben es ja, ich nicht. Und außerdem macht das jeder. Irgendwie fand ich mich dabei sogar recht clever und cool. 
In den Anfangsjahren meiner Firma hatte ich einmal recht dreist das Produkt eines kleineren Mitbewerbers kopiert und ihn dadurch vom Markt verdrängt. Skrupel hatte ich keine. Das ist Wettbewerb. Dann kam ich nach Medjugorje und wollte seit längerem wieder beichten. Der „deutsche“ Beichtstuhl war mit einem polnischen Priester besetzt. Sein Deutsch war sehr gebrochen. Heimvorteil, dachte ich. Nur hatte er meine Robin-Hood-Version immer mit „Nix, das Diebstahl“ gekontert. Ich konnte ihn nicht weichreden. Es war kein Deal möglich. Erst war ich genervt, dann hab ich kapiert und echt bereut, und schließlich bin ich umgekehrt. 

Wenn ich dieses Gebot Gottes halten möchte, aus Liebe zu ihm, dann muss ich Ernst machen. Ich muss dem Kaiser geben, was dem Kaiser gehört. Ich kann nichts schwarz verkaufen, schwarz arbeiten, schwarz fahren. Keine Belege für die Steuer frisieren, keine Produkte, die man beschädigt hat, dem verkaufenden Geschäft anhängen, keine Fahrerflucht antreten, wenn man beim Einparken das Nachbarauto angefahren hat. 

Bestehle ich jetzt aber die Natur, wenn ich mein Gemüse nicht im Biomarkt kaufe? Stehle ich von Menschen in Bangladesh, wenn ich T-Shirts „Made von dort“ anziehe? Gebe ich nichts dem Kaiser, wenn mir sein Gebot, 100 km/h auf der Landstraße zu fahren, manchmal wurst ist? 

Dank des polnischen Priesters hat sich das „Nix, das Diebstahl“ in mein Hirn eingebrannt, und mit dieser Brille beleuchte ich mein heutiges Tun. 

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