Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 06. September 2017Florian Schmutz

Es kam so langsam. Schleichend. Irgendwie war es nicht zu spüren. Aber es hat sich immer mehr eingestellt. Da war die Arbeit. Die Zeit mit meiner Frau. Die Freizeit. Das iPad. Dieser und jener Film. Interessante Bücher. Schließlich der Urlaub. Ausschlafen. Genießen. Lange am See liegen. Radtouren und Spaziergänge. Gutes Essen. Eines aber war plötzlich nicht mehr da: Gebet. Stille. Meine persönliche Zeit mit dem Herren. Also alles, was über das gemeinsame Gebet mit meiner Frau und vor dem Essen hinausgeht.

Wow, das war eine komische und schockierende Einsicht vor einigen Tagen!

Vier, fünf Wochen mag es gutgegangen sein, bis sich langsam, aber sicher eine Sehnsucht in mir breitgemacht hat. Am Anfang war es nur ein leises, zartes Klopfen. Mit der Zeit wurde es immer mehr zu einem Pochen an der Tür meines Herzens. Schließlich muss es fast schon ein Hämmern gewesen sein.

All das Obengenannte konnte nicht das stillen, was in mir gestillt werden wollte. Alle diese Dinge und Beschäftigung haben mich hervorragend abgelenkt, aber sie haben mich nicht wirklich satt gemacht. Das war wie Fastfood für meine Seele und ihre Bedürfnisse. Zwei Stunden nach dem Besuch im Restaurant mit dem großen goldenen M kommt bei mir spätestens wieder das Hungergefühl die Speiseröhre hochgekrochen. So kam auch in die Trägheit meines Lebens eine Unruhe hinein, die die Idylle gestört hat. Wie ein heftiges Grummeln im Magen, so dass alle Umstehenden auch hören und einen dann ganz verstört anschauen ...

Da gab’s nur noch eine Option: Neustart!

Bild: LindsayEnsing, flickr.com, CC BY-SA 2.0, bearbeitet.

Jesus würde es wahrscheinlich metanoia, Wandlung des Geistes nennen: Eingefahrene Wege verlassen, zurück und hin zum Wesentlichen im Leben. 

Wie befreiend ist für mich als Christ zu wissen, dass genau diese metanoia bei unserem Gott möglich ist. Genau das wünscht er sich für mich: dass ich umkehre und mein Leben neu mit ihm starte. Neustart im geistlichen Leben. Das versuche ich nun auch: Nach dem Ausschalten des Weckers das Kreuzzeichen und ein kurzes Morgengebet, ein freies Gebet für das, was der neue Tag bringen wird, und die „Kleine Weihe an die Muttergottes“. Mittags und abends dann der „Engel des Herrn“. So schön, dass wir vorformulierte Gebete haben und Kirchenglocken, die uns daran erinnern! Am Abend schließe ich den Tag mit einer kurzen Stillen Zeit ab. Gott und ich. Nur wir beide. 15 Minuten für den Anfang. Steigern kann ich mich immer noch – und werde ich auch: In vier Wochen, wenn die Stille Zeit länger wird und die Schriftlesung wieder dazukommt.

Mein Fazit dieser Geschichte: Hinfallen, Krone richten, aufstehen und weitergehen! Und das Schöne ist: Ich muss es nicht völlig aus eigener Kraft stemmen, denn Gott stärkt mich durch den Heiligen Geist, durch die Sakramente und durch die Gemeinschaft der Kirche! 

Ich kann dich nur ermutigen: „Just do it!“

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