Gemeinschaftsblog

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Blogbeiträge

Verfasst am 13. Juli 2017Manuela Mair

Vor einigen Wochen wurde unser Sohn getauft. Ich muss zugeben, dass ich mir über dieses Sakrament vorher eher weniger Gedanken gemacht hatte. Mir war zwar immer klar, dass ich den Kleinen möglichst früh taufen lassen möchte. Aber warum? Nun ja, das wusste ich eigentlich selber nicht so genau.

Wir haben uns eine Taufe im Rahmen des Familiengottesdienstes in der Pfarrgemeinde gewünscht. Unser Pfarrer hat uns dann dafür relativ kurzfristig den Pfingstmontag angeboten. Bei einer Taufe an so einem hohen Fest war natürlich die Freude groß, gleichzeitig hatten wir damit weniger Zeit, um alles zu organisieren. Mich beschäftigten also in der folgenden Zeit hauptsächliche weiße Kleider, Kerzenmotive, Tischdekoration und was eben alles zu so einer Tauffeier gehört. 

Irgendwann in dieser Vorbereitungszeit war mir bewusst geworden, dass ich eigentlich keine Ahnung vom Ablauf einer Taufe hatte. Beim Abendessen habe ich dann meinen Mann gefragt: „Sagt man da, wo man das ganze Zeug gefragt wird, eigentlich ‚ich glaube‘ oder ‚wir glauben‘?“.  Ohne wirklich nachzudenken stellte ich diese Frage auch einige Tage später dem Pfarrer beim Taufgespräch. Ich hatte eigentlich eine knappe Antwort erwartet. Aber seine Antwort lautete in etwa so: „Die Eltern antworten beide ‚Ich widersage‘ und ‚Ich glaube‘. Es geht dabei um das, was man wirklich persönlich glaubt. In diesem Glauben versprechen Sie, Ihr Kind zu erziehen. Das persönliche ‚Ich glaube‘ des Einzelnen wird dann mit dem Ehepartner zum ‚Wir‘, und schließlich vereint es sich im Glaubensbekenntnis mit der ganzen Kirche.“ 
Diese Antwort traf mich mehr als erwartet. Mir wurde erst in diesem Moment so richtig klar, was es eigentlich bedeutet, vor der ganzen Kirche meinen Glauben zu bekennen und zu versprechen, mein Kind im Glauben zu erziehen. Das war ja dann doch keine Kleinigkeit. 

Bild: Johannes Mair.

Nach dem Gespräch ging es bei uns aber erst mal wieder um das Organisatorische. Und als wir am Pfingstmontag pünktlich die Kirche betraten, alles für die Feier danach vorbereitet war und der Kleine halbwegs gute Laune hatte, konnte ich mich endlich kurz entspannen. In dieser Entspannung zog aber auch der Inhalt des Gottesdienstes ziemlich an mir vorbei. Auch als wir nach vorne gingen, achtete ich eigentlich hauptsächlich drauf, nichts verkehrt zu machen. Doch dann kam der Moment. Der Priester stellte uns diese Fragen, die mich schon im Taufgespräch so berührt haben.

In diesem Moment schien plötzlich alles um uns herum in den Hintergrund zu treten. Es ging nur noch um uns. Um mich. Um mich und Gott. Widersage ich? Glaube ich? Eine echte Freude fing an, in mir aufzusteigen. Es fühlte sich an wie eine große Ehre, dieses Bekenntnis laut vor der ganzen Gemeinde auszusprechen. Als meine Stimme laut und deutlich zu hören war, dachte ich nur: „Ja, das ist wahr und richtig.“ Ich widersage. Ich will dem Bösen abschwören und es nicht vor meinem Kind verleugnen. Ich widersage. Ich will meinem Sohn ein Vorbild sein, im täglichen Kampf gegen Versuchungen, Egoismus und Feindschaft. Ich widersage. Ich will meinem Kind erklären, dass es so viel Wichtigeres als die materiellen Dinge dieser Welt gibt. Ich glaube. Ich werde ihm von unserem Vater im Himmel erzählen. Ich glaube. Ich will versuchen ihm vorzuleben, dass man diesem Vater ganz vertrauen kann. Ich glaube. Ich möchte mit ihm ein Leben führen, in dem dieser Glaube täglich präsent ist. All das will ich jeden Tag aufs Neue versuchen. Das verspreche ich. Das bekenne ich. Und deswegen wünsche ich mir für meinen kleinen Sohn die Taufe auf den Namen dieses Gottes. 

Mein Mann neben mir versprach das Gleiche. Das Ich verschmolz zum Wir. Und dann stimmte die ganze Gemeinde in das Glaubensbekenntnis ein. Wenn wir uns mal zu schwach fühlen, ist da eine Gemeinde hinter uns und dahinter eine ganze weltumspannende Kirche. Das war ein wirklich bewegender Moment. Als dem Kleinen dann das Taufwasser über den Kopf gegossen wurde und der Priester die Worte sprach: „Ich taufe dich …“, da sah man unserem Sohn an, dass er sich einfach wunderte, was da gerade passiert. Und ich dachte in meinem Herzen: „Ich werde es dir erklären. Immer und immer wieder. Ich werde da sein, wenn du Fragen hast. Und ich werde dir von ihm erzählen, auf dessen Namen du nun getauft bist. Ich werde dich begleiten auf deinem Weg zu ihm.“

Seit diesem Tag haben wir begonnen, jeden Tag mit unserem Sohn zu beten. Wir haben uns das nicht so vorgenommen. Wir hatten einfach ab diesem Tag wirklich das Bedürfnis, mit ihm zu beten. Und auch wenn er dabei strampelt, brabbelt, lacht und uns verwundert beobachtet, so ist damit eine Familientradition gewachsen. Ein gemeinsames „Ich widersage“ und „Ich glaube“.

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