Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 16. Juni 2017Magnus Eble

Uns Katholiken wird häufig vorgehalten, in unserer Verehrung der drei göttlichen Personen würde der Heilige Geist zu kurz kommen. Ehrlich gesagt, ich habe diesen Vorwurf nie verstanden. Wir bekreuzigen uns doch immer auch im Namen des Heiligen Geistes, und bei der Verkündigung des Herrn spielte er auch eine wichtige Rolle. Maria ist die Braut des Heiligen Geistes.

Fest der Jugend in Salburg. Bild: Loretto Gemeinschaft.

Ja, das stimmt alles. Dieses Jahr beim Fest der Jugend in Salzburg lernte ich ihn aber noch so viel besser kennen. In den Talks und Gebetseinheiten war immer wieder von einem neuen Pfingsten die Rede. Mir stieß das ein bisschen sauer auf. Zu sehr habe ich gelernt, dass Pfingsten ein historisches, statisches Ereignis ist. Der Heilige Geist wurde über den Aposteln ausgegossen, und die Kirche wurde begründet. Aber, dass genau das auch heute passiert? Eigentlich nicht. Doch dieses sehnsuchtsvolle Reden über den Heiligen Geist ließ mich nicht los. Da wurde etwas in mir angesprochen, von dem ich gar nicht wusste, dass es wirklich so tief in mir verankert ist. Ich will einen Beistand haben. Ich brauche einen Beistand. Ich glaube, Gott ist kein Gott, der sich in etwas einmischt und dann auf einmal verschwindet und den Menschen seinem Schicksal überlässt. Das ganze Alte Testament ist eine Hymne darauf, dass Gott sich dem Menschen offenbart, dann läuft es eine Zeit lang gut und dann fährt der Mensch wieder aus eigenem Verschulden den Karren an die Wand.

Und was macht Gott dann? Er denkt an den Menschen und hilft ihm wieder auf die Beine.

Fest der Jugend in Salzburg. Bild: Loretto Gemeinschaft.

Genau so läuft es auch zu Pfingsten. Jesus hat uns nicht vor 2000 Jahren den Heiligen Geist als Beistand geschenkt und sich dann zurückgezogen. Er macht genau das jeden einzelnen Tag. Wir glauben natürlich, dass die Apostel besonders gut auf den Heiligen Geist vorbereitet waren – „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet“ (Apg 1,14) – aber wir dürfen genauso gut davon ausgehen, dass wir uns ebenso auf ihn vorbereiten können. Vor den Aposteln lag die schwere Aufgabe, die Kirche aufzubauen. Doch auch wir haben die Aufgabe, die Kirche jeden Tag nach unseren Möglichkeiten aufzubauen. Darum können wir uns sicher sein, dass der Beistand wirklich bei uns ist und uns auch zu großen Dingen fähig macht.

Wenn wir ihn so anbeten, wie er es verdient hat (ich meine, er ist der Spender des Lebens!), dann bekommen wir ein ganz neues Verständnis dafür, wie wichtig der Heilige Geist für uns ist. Er ist unersetzlich für die Kirche, und das schon von Anfang an. Daran dürfen, vor allem wir Katholiken, uns immer wieder erinnern. Das Wachstum in unserer strukturstarken Kirche bewirkt der Heilige Geist! Wir tun nur dazu. Pfingsten 2017 war für mich die Erfahrung, wie das funktioniert. Ein großartiges, jugendliches Miteinander (und ja, das können auch die Älteren unter uns), Einheit in der Liebe und eben die beharrliche Bitte um den göttlichen Beistand. Ich glaube, wenn wir uns häufiger auf diese grundlegenden Dinge besinnen, können wir wirklich in unserer Umgebung fruchtbar Kirche sein und die Welt verändern.

Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall wieder in Salzburg dabei. Und bis dahin feier’ ich Pfingsten – jeden Tag!

Kommentar(e)