Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 16. April 2017Deborah Karrer
Bild: Michael Wielath

Seit 2000 Jahren hat sich die Stimmung um diese Zeit des Jahres in der Heiligen Stadt nicht sehr verändert. In der Gerüchteküche brodelt es; die meisten schimpfen nur, aber einige machen ihrem Unmut durch gewaltsame Ausschreitungen Luft. Erst stirbt Gott, dann steht er von den Toten auf, und jetzt auch noch diese Geschichte über das ewige Feuer, das sich jedes Jahr über die Osternacht wieder selbst entflammt – das ist doch wirklich unerhört! Beginnend mit denen, die für all diese Geschehnisse eine rationale Theorie bereitstellen, über jene, die lächelnd erklären, das sei alles symbolisch, bis hin zu solchen, die Schlägereien beginnen, um ihre Kerze zuerst am Heiligen Feuer zu entzünden. Eine neutrale Reaktion auf diese radikalen Ereignisse scheint unmöglich. Es gibt keine Ostereier,und kleine Aufmerksamkeiten in Körben versteckt schon zweimal nicht. Ostern hier ist vielleicht kein angenehmes Ereignis, aber die ursprüngliche Spannung, welche die Nachricht der Auferstehung Jesu in der Bevölkerung Jerusalems (der damaligen Zeit) hervorrief, ist umso greifbarer. 

Dieses Jahr erlebt diese Stadt das erschütterndste aller Ereignisse der Weltgeschichte noch intensiver als sonst: Das Ostern der Katholiken und Protestanten fällt auf dasselbe Datum des orthodoxen Osterns und des jüdischen Pessachfestes. 

Bild: Addy Cameron-Huff, flickr.com, CC BY 2.0, bearbeitet.

Die erwartungsvolle Anspannung hängt wochenlang über allen Köpfen. Aus dem Neuen Testament wissen wir von der Verbindung mit dem Pessachlamm, das zu eben jener Stunde, in der Jesus seinen letzten Atemzug tat, im Tempel geschlachtet wurde. Er ist das ultimative und makellose Opfer. Aber warum genau ist diese Geschichte ein Stein des Anstoßes? Am Sederabend, den Jesus mit seinen Jüngern am uns als „Gründonnerstag“ bekannten Vorabend seiner Kreuzigung feiert, wird das Vorübergehen Gottes an den Erstgeborenen Israels gefeiert (Doppelung: פסח = Vorüberziehen) sowie der Auszug aus der Sklaverei in Ägypten. Jedes Kind weiß, dass Mose nach jüdischer Tradition eine Präfiguration des Messias ist, und demnach muss der, der da kommt, größer sein als Mose. Ein Mann, der sich nicht selbst vom Kreuz befreit, soll größer sein als jener, der die Israeliten aus jahrelanger Sklaverei in die Befreiung führte? Wenn Jesus der Messias ist, warum hat er das jüdische Volk dann nicht aus der Hand der Römer gerettet? Die Messiasfigur im Alten Testament ist politisch – seine Herrschaft währt ewig. Der Glaube an die Auferstehung ist genau deshalb so revolutionär, denn Jesus liegt nicht mehr im Grab, in welchem die Archäologen bis heute noch nach den Überresten seines Leichnams herumstochern. Das Grab ist tatsächlich leer, und er wird real kommen, um zu regieren. 

Wer nicht an die Relevanz dieser Geschichte für unsere Zeit glaubt, ist herzlich eingeladen, uns nächstes Jahr zu besuchen. 

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