Gemeinschaftsblog

In unserem Blog erzählen über 20 Blogger/innen aus der Diözese Augsburg und
über die Bistumsgrenzen hinaus, was sie im (Glaubens-) Alltag erleben.

Blogbeiträge

Verfasst am 16. März 2017Alex Barth

Hier also der zweite Teil meines Beichtzettels. Vielleicht ist er manchem eine Hilfe, falls er schon länger nicht mehr beichten war. In jeder Kirche wartet ein Priester nur auf euch. Geht beichten, es lohnt sich!

Beichten: Hausputz der Seele. Bild: Bart Everson, flickr.com, CC BY 2.0, bearbeitet.

4. Gebot: Ehre deinen Vater und deine Mutter

Was heißt ehren? Ich liebe meine Eltern. Ich bin ihnen dankbar, dass sie mir das Leben ermöglicht, mich ernährt, erzogen und in den Glauben eingeführt haben. In der Pubertät habe ich mich öfter über ihre Gebote hinweggesetzt. Das gehört dazu. Aber ich wollte ihnen nie Schande machen. Und jetzt? Im Alter? Ich bin kontaktfaul. Melde mich kaum bei ihnen. Frag selten nach, wie es ihnen wirklich geht. Meine Probleme und Erfahrungen stehen bei Besuchen oft im Vordergrund, nicht ihre. Im Schuldbekenntnis beten wir zu Beginn einer Messe und bereuen:  „... dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe.“ „Gutes Unterlassen“ trifft bei dem Gebot bei mir wohl zu. Mehr Zeit mit ihnen verbringen, das wäre schön.

5. Gebot: Du sollst nicht morden

Hab ich nicht. Gebot erledigt? Jesus nennt jedoch töten im gleichen Atemzug mit zürnen. Für ihn beginnt die Sünde im Kopf. Worte können verletzen, entwürdigen, auch töten. Zornig kann ich schon werden. Auf Mitarbeiter, auf meine Kinder, auf Politiker, auf Kirchenvertreter, auf Journalisten, auf mich. Mitarbeiter genügen manchmal nicht meinen Ansprüchen, die Kinder folgen nicht, manche Laien und Geistliche in der Kirche verhalten sich nicht so, wie ich es erwarte. Die Politik ermöglicht Gender und Abtreibung, die Medien ziehen die Kirche in den Dreck. Da könnte ich oft einen heiligen Zorn bekommen. Ab und zu entschuldige ich das mit einem „heißen Temperament“, mit „wo gehobelt wird, fallen Späne“. Ich denke dann an Jesus, der die Händler aus dem Tempel vertrieb. Doch ich bin nicht Gott. Wer bin ich, mit dem Finger auf andere zu zeigen? Wenn ich von Gott Schaffensdrang und Power bekommen habe, darf ich das nicht negativ einsetzen. Ich muss meine Gedanken und Wortwahl anpassen. Und wenn ich gefehlt habe, muss ich die Demut haben, bei Mitarbeitern und meinen Kindern um Entschuldigung zu bitten und für Politiker und Journalisten zu beten. Und es gilt immer: Herr verändere deine Kirche, und fang bei mir an!

6. Du sollst nicht die Ehe brechen 9. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen

Die eigene Frau betrügen? Ein No-Go für mich. Für die Klatschzeitschriften ein Muss, um Leben in die Beziehung zu bringen. Und die prägen einen. Zusammen mit Internet, Film und Fernsehen. Hier prasselt eine Sexualisierung auf einen ein, der man sich kaum entziehen kann. Selbstbefriedigung, Pornographie, Bettaffären. Alles erscheint normal. Die Zeit vor meiner Ehe war davon geprägt. Für alles hatte ich eine Erklärung: Die vorehelichen sexuellen Beziehungen waren doch Liebe ... Selbstbefriedigung? So hat mich Gott doch geschaffen ... Kirche und Sex hatten für mich nichts miteinander zu tun. Ich konnte manches auch nicht beichten, weil ich es nicht bereute. Doch letztendlich hat mich all das nur daran gehindert, eine tiefere Beziehung zu Gott aufzubauen. Im Rückblick hätte ich mir viele innere Narben und Verletzungen bei anderen sparen können. Wie so oft kann ich heute sagen: Und die Kirche hat doch recht. Die Keuschheit einzuüben erfordert Disziplin. Und die brauche ich auch in der Ehe. Die natürliche Familienplanung funktioniert gut, wenn ich mich im Zaum habe. Die Kunst ist es dann, die Grenze zu finden, zwischen Bruder-Schwester-Verhalten, körperlicher Nähe und Selbstbefriedigung.

„Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen“ (Mt 5,28). Sagt Jesus.

Dieser Ehebruch ist eine ständige Versuchung. Ich muss meine Augen zähmen und trainieren, dass ich beim Anblick einer schönen Frau dasselbe empfinde wie bei schöner Architektur oder einem Ferrari. Dass ich bei einer Bikini-Werbung auf der Werbetafel nicht einen zweiten, längeren Blick darauf werfe. Dass ich im Internet Sex-Nachrichten oder Werbung nicht für einen schnellen Blick anklicke.

Und wenn ich mich dabei ertappe, „typisch leibfeindliche Kirche“ zu denken, dann lese ich wieder in der Theologie des Leibes von Johannes Paul II. oder im Hohenlied der Liebe in der Bibel. Da bekommt mancher rote Ohren und ich Ehrfurcht und Staunen vor dem eigenen Ehebett.